Drei Tage Ende Mai ´26 - Sixhaven und Muiden

Das letzte Wochenende im Mai, wir fahren am Freitag früh rüber ins Königreich und sind um halb zwölf im neuen Heimathafen vom Bootje: Jachthaven t´Einde am Amsterdamrhijn-Kanaal in Amsterdam. Vorbei sind die Jahre im ländlichen Nederhorst an der Vecht. Obwohl das Luftlinie nur 12 Kilometer entfernt ist, ist der neue Standort völlig unterschiedlichen Charakters. Wir beladen ELAN und schippern zügig raus auf den großen Kanal. Es ist einiges los auf dem Wasser, Frachter und große Binnenkreuzfahrer fahren längs.


Unser Ziel ist wieder mal der Sixhaven, wie schon am letzten Wochenende (klick). Da muß man, anders noch als noch Jahre zuvor, früh kommen, um einen schönen Platz ganz vorn zu bekommen.


Und es geht auf, wir liegen nach kurzem Manöver ganz prächtig direkt vorne quer am A-Steiger - absoluter Spitzenplatz direkt im Fokus der Webcam.



Es ist sehr warm, eine dräuende Schwüle liegt über der Stadt. Das Wasser kühlt etwas, aber für den späten Nachmittag sind Gewitter angekündigt.


Wir machen einen Provianteinkauf nördlich vom Hafen in den großen Jumbo-Foodhallen. Es kommt am Abend Besuch an Bord und dafür soll ein Dinner vorbereitet werden.


ELAN liegt wunderbar im Hafen, kein anderes Ziel wurde in den letzten 10 Jahren öfter angesteuert, zum ersten Mal in 2017 (klick).



Die Pantry läuft am Abend auf Hochtouren, das kommt sehr selten vor.


Der Samstag beginnt nach dem Gewitterregen vom Vortag mit frischer Luft wunderbarer Klarheit, ganz reinen Farben und gestochener Zeichnung. 


Ein kurzer Blick auf die Weekend-Tour, vom Sixhaven im Zentrum soll es nach Osten gehen.


Nach dem Ontbijt verlassen wir Sixhaven gegen 11.00 und fahren über das IJ in Richtung Osten...


...und erreichen nach gut 30 Minuten die Oranjesluizen.


Die große Schleusenanlage gibt den Weg frei auf das Markermeer, das direkt hier zu Beginn eigentlich noch das IJmeer heißt. Es geht vorbei an Vuurtoreneiland und danach zieht an Backbord das alte Deichdorf Durgerdam vorbei.


Wir kreuzen Pampus und fahren in die Fahrrinne der Vechtmündung ein. Ziel für den zweiten Tag ist die Koninklijke Nederlandse Zeil- en Roeivereniging, kurz KNZRV. Da waren wir in den letzten Jahren regelmäßig. Auch hier ein Volltreffer: Wir bekommen einen herrlichen Liegeplatz in diesem feinen Jachthafen.


Die KNZRV wurde 1847 gegründet, ist damit die älteste Wassersportvereinigung der Niederlande. Von Anfang an war das ein Honoratiorenklub reicher Amsterdamer. Man hielt guten Kontakt zum Königshaus und machte die damaligen Prinzen zu Ehrenmitgliedern und Koning Willem II zum Schirmherren. Das wird bis heute so beibehalten, alle Regenten und Regentinnen des Hauses Oranien waren und sind hier in das Klubgeschehen involviert. Die Piet Hein, die Jacht von Königin Juliana lag bis zum Verkauf in den Häfen des Klubs, De Groene Draak, das Schiff von (Ex)königin Beatrix, liegt, wenn es nicht gerade renoviert wird, hier in Muiden. Zu Beginn war der Stammhafen des Klubs am Westerdok in Amsterdam. 1919 zog man dann um in den Sixhaven und blieb dort bis zum 2. Weltkrieg. Die deutschen Besatzer verfügten Fahrverbote für das IJ, der Sixhaven wurde geschlossen. Die KNZRV mußte das "Koninklijke" aus ihrem Namen streichen und bezog ein Ersatzquartier an den Westeinder Plassen. Schließlich wurde dann 1953 hier in Muiden ein schon vorhandener Hafen ausgebaut und ein stattliches Klubgebouw errichtet. Seitdem ist der markante Platz hier direkt an der Vechtmündung die Heimstatt der Vereinigung. Und ja, es passiert wieder wie schon zweimal zuvor. Der Groene Draak liegt vertäut und Beatrix ist auf ihrem Boot.


Das Schiff war ein Geschenk des Staates an die junge Beatrix zu ihrem 18. Geburtstag. Gebaut wurde die 15 Meter lange Leemsteraak in Amsterdam, da erfolgte 1957 auch die Taufe durch die Prinzessin. Das war ein großes Ereignis damals, schließlich war Beatrix Thronfolgerin. Es gibt schöne alte Aufnahmen aus der Zeit.


Anderes als zuvor im August ´22 ist es aber nicht der Aufbruch den wir mitbekommen, sondern die Rückkehr. Beatrix geht gerade von Bord.


Zum Dinner gehen wir in den Kern der alten Monumentenstadt. Alte Plattbodenschiffe liegen an der Vechtkade.


Wir sitzen draußen vor der Brasserie Floris gegenüber der Groote Zeesluis und genießen ein solides Dinner in heiterer Stimmung.


Alles stimmt, ELAN liegt zur blauen Stimmung vis a vis von Kasteel Muiderslot.


Der Sonntag grüßt mit frischer Luft und einem Glas mit kühlem Prosecco und süßen Erdbeeren.


Wir brechen auf gegen 10.30, passieren die Groote Zeesluis und schippern die Vecht aufwärts bis Weesp und passieren die Stadt - die drei Brücken öffnen rasch hintereinander. Am "Ape van Weesp" geht es hart Steuerbord nordwärts auf den Amsterdamrhijn-Kanaal. Das sind dann nochmal sieben Kilometer auf dieser großen Wasserautobahn. 


Letzter Blick auf das Boot, es liegt wieder fest verzurrt in der Box. Fortsetzung folgt, die Saison ist noch lang.





Erste Fahrt mit ELAN im Mai ´26 - Sixhaven

Es ist der 23. Mai 2026 - Pfingsten. Wir unternehmen die erste Fahrt mit dem Boot für ein kurzes Wochenende von Samstag bis Sonntag. Vor zwei Wochen wurde ELAN "Klar Schiff" gemacht (klick), vor allem eine Reinigung von außen war das. Dann kam ein Mechaniker an Bord, vermittelt durch den Jachthafen t´Einde. Ölwechsel incl. der Filter erfolgte, auch der Impeller wurde gewechselt.


Es gebe zudem ein Problem mit der Dieselpumpe, das aber gelöst wurde. Also schippern wir auf den Amsterdamrhijn-Kanaal und biegen am alten Erzhafen ab. Da beobachten wir einen schwimmenden Wohnwagen. Dieses Amphibienfahrzeug ist der Sealander, muß an Land gezogen werden, im Wasser kommt ein Außenborder dran. Kostenpunkt: 39.750 Euro.


Wir erreichen kurz nach 12.00 Sixhaven. Die Plätze am A-Steiger sind alle belegt, es sind wohl, anders als früher, durchweg Dauerlieger.


Wir bekommen aber einen schönen Platz ganz vorn im ersten Becken mit kurzem Weg zum Santitärgebäude.


Es ist ungewöhnlich heiß an dieseem Tag im Mai. Das Wasser am IJ schafft etwas Kühlung.



Erste Anlaufstelle ist die Skybar Luminair auf dem Dach vom Double Tree Hotel, da ist für 16.30 ein Tisch für drei reserviert.


Immer wieder faszinierend die Blicke von hier: Richtung Nord auf das IJ und den Hafen...


...Richtung Süd über die alte Wasserstadt.


Ziel für den Abend ist das Restaurant "De Juwelier". Ein 25. Geburtstag ist zu feiern, da darf es ruhig ein Einsterner sein.


Wir genießen eine durchweg von französischer Klassik geprägte Küche mit hervorragenden Weinen.



Am Morgen kommt nach Frühnebel schnell wieder die Sonne raus. Wir frühstücken, lassen das Hafenkino auf uns wirken und verlassen Sixhaven gegen 11.00.



Hier auf dem Bild der Webcam auf dem Mövenpick Hotel zu sehen: ELAN steuert als weißer Strich auf das Oosterdok zu und von dort über Nieuwevaart zurück zum immer noch neuen Heimathafen.



"Bike und Boot" im Mai

Es ist der 8. Mai, wichtiges Datum der deutschen Geschichte. Der Skipper steigt in den großen Mazda und düst (verhalten wg. Spritpreishöhe) gen Holland. Zwei Tage sind geplant, um endich mal für den Beginn der Fahrsaison ´26 zu sorgen. Aber halt! Es wird nicht gefahren, sondern es geht zuvörderst um eine Reinigung des Bootes. Schon vor zwei Wochen (klick) gab es eine Fahrt zum neuen Heimathafen. Da lag ELAN überraschenderweise schon im Wasser. Die Akkus wurden damals eingebaut und etwas "klar Schiff" gemacht. Mehr nicht. Jetzt geht es erstmal um eine gründliche Reinigung der Oberflächen.


Das Wetter ist herrlich. Das Setting hier am Amsterdammrhijn-Kanaal in der Nähe der großen Wasserstadt und unter der Autobahnbrücke ist natürlich was ganz anderes als die ländliche Idylle in Nederhorst am Spiegelplas. Nach zwei Stunden Arbeit steht das Boot gut da - nur äußerlich. Eine technische Inspektion und eventuelle Reparaturen stehen noch aus und sollen durch einen Mechaniker am nächsten Montag angegangen werden.


Gegen 15.00 breche ich vom Hafen auf und fahre ins Polderland südlich von Amsterdam. Hier gibt es kleine Wasserläufe, auf denen ELAN schon öfter gefahren ist. Direkt am Ufer der Waver ist eine Übernachtung gebucht in der Villa Oldenhoff.


Ein ehemaliger Bauernhof wurde umgewidmet zu einem herrlichen kleinen Boutiquehotel, aufgeteilt auf mehrere Gebäude. Hinter den schilfbewachsenen Ufern ragt die Silhouette von Amsterdam-Zuidoost auf.


Ich habe das neue Bike dabei. Mit reiner Muskelkraft drehe ich eine schöne Nachmittagsrunde über die  Waver und die Oude Waver bis zur Amstel und an deren Ufer über Oudekerk zurück.


Auf der Strecke gibt es einige kleine Brücken zur Selbstbedienung. Hier fuhr ELAN schon mehrfach hindurch, zum letzen Mal erst in ´25 auf einer dreitägigen Südrunde zu den Westeinder Plassen (klick).


Es macht großen Spaß mit dem Cube zu fahren. Das leichte Carbonrad gleitet wunderbar durch die rurale Idylle unter hohem Himmel zwischen Wasser und Schilf.



In der Villa Oldenhoff ziehe ich mich ins schöne Zimmer zurück für einen Imbiss, dazu steht ein kräftig-üppiger Châteauneuf-du-Pape von Guigal bereit.


Das ganze Setting hier erstrahlt am anderen Tag in sonnigem Morgenlicht, dazu ein feines Ontbijt als Einstieg in einen aktiven Tag.



Denn auch heute heißt das Motto "Bike statt Boot". Ich stelle das Auto ab beim Albert Heijn in Diemen und drehe eine große Runde um Amsterdam. Entlang der Weesper Trekvaart bis zur Amstel, ein Abstecher über den Albert Cuypmarkt in De Pijp, weiter bis zum Oosterdok und Centraal Station und schließlich mit der Fähre übers IJ nach Noord über Schellingwoude bis nach Durgerdam und über Zeeburg zurück. Alles mittlerweile vertraute Orte hier, immer wieder fazinierend.


Kurze Pause über der Amstel auf der Magere Brug, die Brücke für Verliebte.


An der Nieuwe Herrengracht im ehemaligen jüdischen Viertel liegt das Holocaust Monument, entworfen von Daniel Liebeskind. Es erinnert an die rund 102.000 jüdischen Menschen, die von den Nazis während der deutschen Besatzung verhaftet, deportiert und in Vernichtungslagern ermordet wurden.


Am Wertheimpark ein nostalgischer Blick auf das Erkerzimmer des ehemaligen Hotels Parklane, Ort einer denkwürdigen Übernachtung vor vielen Jahren.


Am Kreuzfahrtterminal ist es auf einmal laut, auch Polizei steht herum. Eine Demo gegen Cruise Ships läuft hier. Die Einfahrt der großen Pötte über den Noordzeekanaal ist seit Jahren umstritten und soll nach der Absicht der grün-linken Stadtregierung eingeschränkt und auf Sicht ganz eingestellt werden.   


Auf der anderen Straßenseite melden sich jedoch auch Befürworter unter dem Motto "Cruise ships welcome".


Und darum geht es: Heute liegt die Celebrity Eclipse mit ihren 317 Metern Länge hier fest, die Passagiere schiffen sich ein.


Ich setze mit der Fähre über und mache eine Pause am Filmmuseum Eye direkt am Ufer des IJ...


...und genieße hier einen Klassiker: Nieuwe Haring von Stubbe, dazu ein kleines Heineken.


Fährt man in Noord über den Nieuwendammerdijk immer weiter gen Osten ist man schnell raus aus der großen Stadt und findet sich, ähnlich wie im Süden, in einer ruralen durch und durch holländischen Ideallandschaft wieder: Das alte Deichdorf Durgerdam.


Von hier aus geht es wieder südwärts über die Schellingwouder Brug und den Amsterdamrhijn-Kanaal. Da bietet sich tatsächlich von der nur für Radfahrer und Fußgänger gebauten Nesciobrug noch mal ein Blick auf den Jachthaven T` Einde. ELAN liegt da brav in ihrer Box und wartet auf den Start der Saison ´26.