Nunja, das war nicht abgesprochen, aber warum nicht. Erstmal alles öffnen und lüften. Die Plane liegt im Boot - kommt raus. So wie auch die Entfeuchterboxen. Die beiden Akkus werden eingebaut, und ja: Ich starte testweise den Yanmar! Nach ein paar Umdrehungen des Anlassers springt er an und das Herz des Bootes beginnt im ruppigen Rhytmus des kleinen Dieselmotors aus Japan zu schlagen - große Freude. Aber ist alles gut? Es gab ja Probleme mit dem Motorlauf im letzten Jahr. Und ich sehe, dass die Maschine im Leerlauf ziemlich wackelt im Motorkasten. Möglicherweise sind die Gummipolster der Halterungen verschlissen. Das muss nachgesehen werden, auch eine Motorinspektion mit Öl - und Filterwechsel ist fällig. Das gebe ich direkt in Auftrag. Denn ELAN soll uns ja auch in der Saison ´26 stressfrei viel Vergnügen bereiten.
ELAN ist eine Albin 25, ein schwedisches Motorboot aus den 70er Jahren. Ca. 2500 Stück sind seinerzeit gebaut worden. Es war so etwas wie der VW Käfer auf dem Wasser, kompakt, aber mit ausreichend Platz für eine vierköpfige Familie, geeignet auch für längere Freizeitfahrten im Binnenwasser und an der Schärenküste. Einige der Boote tuckern heute noch, auch in den Niederlanden.
Zum Bootje - April ´26
ELAN - winterklaar kurz vor Silvester ´25 !
Die letzte Fahrt mit ELAN war Ende August, eine Wochenendtour nach Amsterdam (klick). Seitdem liegt das Boot verwaist im Jachthaven T ´Einde. Die Sasion ´25 war also sehr kurz. Wir waren im Oktober kurz vor Ort, um den Schlüssel abzugeben. Da lag Elan noch im Wasser. Über Silvester sind wir wie immer in Egmond an der Nordsee. Von da fahren wir an einem Vormittag zum Boot, um endlich die Plane zu installieren.
ELAN steht aufgebockt ganz vorn und ist gut zugänglich, kein Vergleich zu der engen Stellung der Boote in der Jachtwerf Weesp. Hier stehen nur weinge Boote "op de kant". Einge sind mit Schrumpffolie überzogen. Das kann man hier in Auftrag geben, ist aber teuer.
Sixhaven Weekend im August ´25
Wir tuckern vom neuen Hafen das kurze Stück über den Amsterdamrhijn-Kanaal und die Nieuwevaart ins Zentrum der großen Wasserstadt. Ein frischer Weißer steht bereit.
Wir machen rüber in die Stadt und laufen weit südlich über den Grachtengürtel hinaus in Richtung Oud Zuid. Südlich des Vondelparks geht es da sehr vornehm zu, das Viertel ist "rich" - allerdings mit Amsterdammer Lässigkeit.
Zurück über den Museumsplein und den westlichen Grachtengürtel, wir genießen Flair der alten Prachtstadt.
Am Sonntag brechen wir gegen 10.30 auf. Das Wetter ist besser als vorhergesagt, nach Regen in der Nacht zeigt sich der Morgen bei Ausfahrt auf das IJ in herrlichem Spätsommerlicht.
Sail Amsterdam - August ´25
Die Sail Amsterdam ist das größte maritime Event der Welt. Nichts weniger als das findet seit 50 Jahren alle 5 Jahre in der großen Wassermetropole statt. Jetzt im August ´25 allerdings erst seit 10 Jahren wieder, in ´20 fiel das wg. Corona aus. Was passiert? Im Kern kommen aus vielen Ländern die Tall Ships, also die großen noch betriebenen mehrmastigen Großsegler herbei. Dazu aus den Niederlanden das ganze sogenannte Varend Erfgoed - mit Aufwand und Liebe fit gehaltene Schiffe der niederländischen Seefahrttradition: Segler, Kutter, Schlepper, Motorjachten etc. All dies formiert sich in IJmuiden und zieht dann in langer Parade über den Noordzeekanaal und das IJ in die Stadt ein und macht für 5 Tage an den Kaden östlich von Centraal Station fest. Was aber das Bild erst vollständig macht und für eine einmalige so an keinem anderen Ort der Erde gesehene Kulisse sorgt, sind tausende von Privatbooten in allen Größen, Formen und Farben die, einem gigantischem Wimmelbild gleich, die Parade ergänzen.
Doch es ist erst der Dienstag, der Tag davor. Ich stelle das Auto am neuen Heimathafen ab und fahre mit dem kleinen Elektrofaltrad in die Stadt. Ja, ELAN bleibt im Hafen. Ich werde es noch bereuen, aber die technischen Auffälligkeiten vom letzten Wochenende (klick) am Antrieb verunsichern.
Also alles nur vom Ufer aus erleben. Ich sichte am Vortag das ganze Areal, fahre am IJhaven vorbei, setze über ans Nordufer und beziehe mein Nachtquartier. Wieder mal ein Brückenwärterhäuschen wie schon im Winter ´22 (klick) ist reserviert, diesmal an der Meuwenlaanbrug über dem Noordhollandschkanaal.
Am späten Nachmittag fahre ich am Nordufer bis zum alten Werftgelände und zur Marina, da läuft gerade ein U-Boot der Marine ein und ein großer Kreuzfahrer aus.
Bei Meneer Kebap ("From Istanbul to Amsterdam") hole ich mir was und genieße den Abend auf der Brücke.
Angeführt wird die Flotte von der Stad van Amsterdam, dahinter folgt alles weitere, begleitet von einer solchen Menge von Booten, daß es nicht zu fassen ist. Ich stehe am Ufer in der Nähe vom Filmmuseum Eye, habe einen guten Blick und ja, mich "übermannt" es und mir kommen die Tränen, so etwas habe ich noch nie gesehen.
Ein Schwesterboot zieht vorbei: Die Albin 25 "Boreas". Ich fühle mich auf einmal passiv, gern wäre ich mit ELAN natürlich aktiv auf dem Wasser dabei.
Die Großsegler haben im IJhaven festgemacht, auch jede Menge schwimmende Oldtimer. Da wollen jetzt alle mit ihren Booten hin und dran längsfahren. Das wäre jetzt auch mit ELAN schön, wäre dabei vielleicht sogar dem Koning begegnet, der fährt nämlich auch dort mit dem Groene Draak von Beatrix, dem wir ja schon zweimal in Muiden begegnet sind (klick).