Fünf warme Juni-Tage in Amsterdam

Es ist der 17. Juni ´26 und der Beginn einer besonderen Tour mit ELAN. Mit einem guten Freund starten wir gegen Mittag vom neuen Heimathafen und steuern die kurze Strecke in den Sixhaven Amsterdam.


Ich hatte damit gerechnet, dass es in dieser Woche voll wird, am Weekend sind die Seehafentage. Doch das sollte sich als Irrtum herausstellen - Sixhaven bleibt überraschend leer. Man empfängt uns wie immer freundlich, wir kriegen einen schönen Platz vorne am A-Steiger.


Es ist sehr warm, Beginn einer außerordentlichen Hitzewelle Mitte Juni. Die Borrelflagge ist gehisst, wir kühlen uns ab mit Cocktail und Weißwein.


Wir setzen über das IJ und laufen durch den Grachtengürtel, immer wieder ein befriedigendes Erlebnis in der großen alten Wasserstadt.



Ziel zum Dinner ist das Restaurant Zwantje in der Berenstraat, da waren wir schon öfter: Ein uriges und enges Lokal im Stil eines Bruin Cafe mit bodenständig-solider Küche.


Wir nehmen den Rückweg über den Dam in Richtung Op de Wallen. Vor dem Koninklijk Paleis ist was los - der Kaiser von Japan ist auf Staatsbesuch.


Im Rotlichtviertel ist auch an einem Mittwochabend Betrieb, ich muss unbedingt einen Blick auf das Theatre Casa Rosso werfen. Hier spielt eine lustig-erotische Szene in meiner Erzählung "Marie Galante".


Wir kehren ein ins Cafe Emmelot (ebenfalls ein Schauplatz in "Marie Galante") auf einen Absacker und kehren zurück in den sicheren Sixhaven für eine ruhige Nacht.



Donnerstag Morgen - das Wetter ist herrlich. Wir lassen uns Zeit, denn ELAN bleibt auf ihrem Passantenplatz im Sixhaven. Wir nehmen die Fähre nach Noord auf das alte Werftgelände und erfrischen uns mit einem Früschoppen im Pllek am Ufer des IJ.


Gegen Mittag verlassen wir Sixhaven - ELAN bleibt hier. Denn schon morgen kommen wir in geänderter Besetzung zurück.


Von Centraal Station geht es mit der Tram 26 in nur 12 Minuten nach Zeeburg, von da sind es nur 20 Minuten zu Fuß zurück zum Jachthaven T´Einde und damit zum Auto.


Keine 24 Stunden später sind wir zurück, stellen den Mazda am Heimathafen ab und nehmen den Weg zum Boot in umgekehrter Reihenfoge, erst zu Fuß, dann mit der Bahn.


ELAN liegt gut vertäut in ihrer Box. Wir schauen aber nur kurz vorbei und sortieren unser Gepäck. Denn heute ist der Geburtstag vom Skipper und darum gibt es eine besondere Übernachtung.


Für eine Nacht ist ein Zimmer gebucht auf dem Botel in Noord: Das Loft-Letter T auf dem Dach des Hotelschiffs.


Erinnerungen kommen hoch: 2018 waren wir mit ELAN und einem Paar aus Mexico hier (klick). Die beiden wurden für eine Nacht im Botel untergebracht, ELAN fand Platz in der Marina direkt nebenan. 




Es ist der Wahsinn: Im "T" verbirgt sich ein großer Raum im Stil einer Schiffskabine. Zu beiden Seiten mit großen "Bullaugen", die herrliche Blicke auf das maritime Treiben freigeben.



Zum Dinner gehen wir rüber in Pllek, wie immer laut und bunt.






Um 11.00 verlassen wir das "T", fahren mit den Fähren zurück in den Sixhaven und verbringen den heißen Nachmittag an Bord von ELAN.


Für den Samstagabend gibt es einen feinen Plan: Ein Tisch ist reserviert auf einem alten Salonboot, das als schwimmendes Restaurant hergerichtet ist. 


Das Erlebnis unter dem Namen Jewelcruise ist klein und intim, man bereitet einen feinen Abend. Der Käptn fährt das Boot (natürlich mit Elektroantrieb) durch den Grachtengürtel. Von einem Restaurant werden die Speisen frisch zubereitet an Bord genommen - großer Genuß.







Auf und an den Grachten braust das Leben. Die alten Häusern aus dem 17. Jahrhundert, das allgegenwärtigen Wasser, das fröhliche Treiben  - diese Mischung ist in dieser Form einzigartig,  Amsterdam pur!




Wir gehen noch auf einen Absacker in Vics Bar im Park Plaza Victoria, an der Prins Hendrikkade, danach dann direkt aufs Boot. 


Gegen 11.00 verlassen wir Sixhaven, das Boot läuft gut. Kurz vor dem Abzweig zum Heimathafen geraten wir auf dem Amsterdamrhijn-Kanaal in einen heftigen Wellenschlag eines Frachters. ELAN schaukelt heftig, danach kommt es zu Aussetzern und reduzierter Gasannahme der Maschine. Wir schafffen es noch in die Box, da geht der kleine Yanmar jedoch aus und läßt sich auch nicht mehr starten - ein Problem mit der Kraftstoffanlage. Fortsetzung folgt... 





Drei Tage Ende Mai ´26 - Sixhaven und Muiden

Das letzte Wochenende im Mai, wir fahren am Freitag früh rüber ins Königreich und sind um halb zwölf im neuen Heimathafen vom Bootje: Jachthaven t´Einde am Amsterdamrhijn-Kanaal in Amsterdam. Vorbei sind die Jahre im ländlichen Nederhorst an der Vecht. Obwohl das Luftlinie nur 12 Kilometer entfernt ist, ist der neue Standort völlig unterschiedlichen Charakters. Wir beladen ELAN und schippern zügig raus auf den großen Kanal. Es ist einiges los auf dem Wasser, Frachter und große Binnenkreuzfahrer fahren längs.


Unser Ziel ist wieder mal der Sixhaven, wie schon am letzten Wochenende (klick). Da muß man, anders noch als noch Jahre zuvor, früh kommen, um einen schönen Platz ganz vorn zu bekommen.


Und es geht auf, wir liegen nach kurzem Manöver ganz prächtig direkt vorne quer am A-Steiger - absoluter Spitzenplatz direkt im Fokus der Webcam.



Es ist sehr warm, eine dräuende Schwüle liegt über der Stadt. Das Wasser kühlt etwas, aber für den späten Nachmittag sind Gewitter angekündigt.


Wir machen einen Provianteinkauf nördlich vom Hafen in den großen Jumbo-Foodhallen. Es kommt am Abend Besuch an Bord und dafür soll ein Dinner vorbereitet werden.


ELAN liegt wunderbar im Hafen, kein anderes Ziel wurde in den letzten 10 Jahren öfter angesteuert, zum ersten Mal in 2017 (klick).



Die Pantry läuft am Abend auf Hochtouren, das kommt sehr selten vor.


Der Samstag beginnt nach dem Gewitterregen vom Vortag mit frischer Luft wunderbarer Klarheit, ganz reinen Farben und gestochener Zeichnung. 


Ein kurzer Blick auf die Weekend-Tour, vom Sixhaven im Zentrum soll es nach Osten gehen.


Nach dem Ontbijt verlassen wir Sixhaven gegen 11.00 und fahren über das IJ in Richtung Osten...


...und erreichen nach gut 30 Minuten die Oranjesluizen.


Die große Schleusenanlage gibt den Weg frei auf das Markermeer, das direkt hier zu Beginn eigentlich noch das IJmeer heißt. Es geht vorbei an Vuurtoreneiland und danach zieht an Backbord das alte Deichdorf Durgerdam vorbei.


Wir kreuzen Pampus und fahren in die Fahrrinne der Vechtmündung ein. Ziel für den zweiten Tag ist die Koninklijke Nederlandse Zeil- en Roeivereniging, kurz KNZRV. Da waren wir in den letzten Jahren regelmäßig. Auch hier ein Volltreffer: Wir bekommen einen herrlichen Liegeplatz in diesem feinen Jachthafen.


Die KNZRV wurde 1847 gegründet, ist damit die älteste Wassersportvereinigung der Niederlande. Von Anfang an war das ein Honoratiorenklub reicher Amsterdamer. Man hielt guten Kontakt zum Königshaus und machte die damaligen Prinzen zu Ehrenmitgliedern und Koning Willem II zum Schirmherren. Das wird bis heute so beibehalten, alle Regenten und Regentinnen des Hauses Oranien waren und sind hier in das Klubgeschehen involviert. Die Piet Hein, die Jacht von Königin Juliana lag bis zum Verkauf in den Häfen des Klubs, De Groene Draak, das Schiff von (Ex)königin Beatrix, liegt, wenn es nicht gerade renoviert wird, hier in Muiden. Zu Beginn war der Stammhafen des Klubs am Westerdok in Amsterdam. 1919 zog man dann um in den Sixhaven und blieb dort bis zum 2. Weltkrieg. Die deutschen Besatzer verfügten Fahrverbote für das IJ, der Sixhaven wurde geschlossen. Die KNZRV mußte das "Koninklijke" aus ihrem Namen streichen und bezog ein Ersatzquartier an den Westeinder Plassen. Schließlich wurde dann 1953 hier in Muiden ein schon vorhandener Hafen ausgebaut und ein stattliches Klubgebouw errichtet. Seitdem ist der markante Platz hier direkt an der Vechtmündung die Heimstatt der Vereinigung. Und ja, es passiert wieder wie schon zweimal zuvor. Der Groene Draak liegt vertäut und Beatrix ist auf ihrem Boot.


Das Schiff war ein Geschenk des Staates an die junge Beatrix zu ihrem 18. Geburtstag. Gebaut wurde die 15 Meter lange Leemsteraak in Amsterdam, da erfolgte 1957 auch die Taufe durch die Prinzessin. Das war ein großes Ereignis damals, schließlich war Beatrix Thronfolgerin. Es gibt schöne alte Aufnahmen aus der Zeit.


Anderes als zuvor im August ´22 ist es aber nicht der Aufbruch den wir mitbekommen, sondern die Rückkehr. Beatrix geht gerade von Bord.


Zum Dinner gehen wir in den Kern der alten Monumentenstadt. Alte Plattbodenschiffe liegen an der Vechtkade.


Wir sitzen draußen vor der Brasserie Floris gegenüber der Groote Zeesluis und genießen ein solides Dinner in heiterer Stimmung.


Alles stimmt, ELAN liegt zur blauen Stimmung vis a vis von Kasteel Muiderslot.


Der Sonntag grüßt mit frischer Luft und einem Glas mit kühlem Prosecco und süßen Erdbeeren.


Wir brechen auf gegen 10.30, passieren die Groote Zeesluis und schippern die Vecht aufwärts bis Weesp und passieren die Stadt - die drei Brücken öffnen rasch hintereinander. Am "Ape van Weesp" geht es hart Steuerbord nordwärts auf den Amsterdamrhijn-Kanaal. Das sind dann nochmal sieben Kilometer auf dieser großen Wasserautobahn. 


Letzter Blick auf das Boot, es liegt wieder fest verzurrt in der Box. Fortsetzung folgt, die Saison ist noch lang.