Nach erfolgreicher Entlüftung der Kraftstoffzuführung vor ein paar Tagen (klick) kommt jetzt die Nagelprobe: ELAN soll über das IJmeer bis Naarden gebracht werden. An einem Donnerstag fährt der Skipper darum solo zum Boot. Und erster Erfolg: Der kleine Yanmar springt willig an! Bei herrlichem Wetter raus aus dem Heimathafen und Kurs auf den Amsterdamrhijn-Kanaal nordwärts.
Nach nur drei Kilometern ist man schon bei den Oranjesluizen. Diese große Anlage gibt den Weg frei nach Osten in Richtung Markermeer. Es dauert etwas, die Wartezeit ist gut eine halbe Stunde. Die Schleusung geht aber schnell, es gibt kaum einen Höhenunterschied zwischen dem Amsterdampegel (NAP = Normaal Amsterdams Peil) und dem großen Binnenmeer. Im Sommer liegt er flexibel zwischen -0,10 m und -0,30 m unter NAP.
Hier eine Übersicht der gesamtem Strecke: Hinter den Oranjesluizen geht es über das Buiten-IJ in das IJmeer, das ist der ganz südliche Teil des Markermeeres. Dann nördlich vorbei an Pampus und danach südöstlich bis zum schmalen Durchlass zum Flewopolder. Dahinter öffnen sich die sogenannten Randmeere. Diese Wasserflächen sind in dieser Form aus den 1960er Jahren, als dieses riesige neue Land durch Eindeichung und Trockenlegung entstand, die heutige Insel Flevoland. Zwischen Polder und Festland wurden schmale Wasserflächen erhalten, eben die Randmeere. Auf dem Rückweg aus Naarden am Sonntag zweigen wir ab vor der Insel Hooft und nutzen die schmale Fahrrinne in Richtung Muiden. Von da auf der Vecht bis Weesp und schließlich über den Amsterdamrhijn-Kanaal zurück in den Heimathafen. Die grüne Linie zeigt die Fahrradstrecke zwischen Naarden und dem Heimathafen, die ich ja zweimal fahren mußte. Bitte draufklicken und vergrößern (kann man auch mit allen anderen Bildern machen):
Es ist was los hinter der Oranjeschleuse - es ist Sommer, es ist Vaarsaison, alles strebt dem Wasser zu.
Hier passiert eine Stratos T 50, holländischer Jachtbau, ab 2.1 Millionen Euro...
Blick nach Norden, da zieht das alte Deichdorf Durgerdam vorbei: Ewiger Zwischenstopp auf dem Rückweg aus Egmond, auch öfter schon vom Boot aus mit dem Rad angesteuert, erst vor ein paar Wochen im Mai (klick).
Im Boot herrscht leichtes Chaos: Die Sitzbank ist noch nicht montiert, der Zugang zur Maschine noch so, dass man im Notfall den Motorkasten schnell öffnen kann.
Ich halte mich in der Fahrrinne, umrunde also Pampus nördlich. Fast, denn als ich etwas abkürze tauchen natürlich wieder Waterplanten auf. Diese Biester wachsen im Flachwasser vom Grund her bis kurz unter die Wasseroberfläche. ELAN säbelt sie mit der Schraube ab, die Stängel verfangen und verdichten sich dann um die Welle, die Motorleistung bricht ein. Ich stoppe, springe ins Wasser und entferne einige Büschel von dem Grünzeug. Man kommt da zum Glück mit dem Arm gut dran, tauchen ist nicht notwendig. Danach dann problemlose Weiterfahrt - das Boot läuft sogar richtig gut. Die Hollandsebrug ist schnell erreicht, sie verbindet das Festland mit Almere auf dem Polder.
Kurz dahinter ist dann schon der Abzweig in den Jachthaven Naarden. Es öffnet sich nach dem Durchlaß eine große Anlage mit allen Einrichtungen...
...und vor allem einer sehr schönen Passantenkade. Es ist noch ganz leer, ich steuere ELAN an einen Liegeplatz am Steg. Hier waren wir in den vielen Jahren des Fahrens schon öfter, wie hier im August ´24.
Ich melde das Boot an, räume an Bord auf und mache mich dann auf den Weg. Denn das Auto muß ja vom Heimathafen hierher überführt werden. Und hier tut mal wieder das Elektroklapprad guten Dienst - das kleine Fiido düst die 16 Kilometer über Muiderberg, Muiden (kurzer Zwischenstopp bei der Groote Zeesluis) und IJburg auf sehr schöner Strecke in 45 Minuten.
Nach der Rückkehr kühle ich mich ab mit einem langen Bad vom Boot aus, danach dann ein einfaches Dinner an Bord.
Ein sehr dynamischer Tag ist zu Ende - ELAN bietet sichere Heimstatt für eine ruhige Nachtruhe.
Der Freitag wird dann nicht weniger dynamisch als der Donnerstag. Der Skipper wird nämlich zum Fotomacher, also vom Amateur zum Profi. Ein Termin in Bochum muss wahrgenommen werden. Darum gegen 11.00 schnelle Rückfahrt nach Bochum, denn am späten Nachmittag beginnt die Ruhrpottrebellion in Bochum auf dem Dr. -Ruer-Platz.
Am Samstag dann erstmal wieder Aktion: Wir sind ja jetzt mit zwei Autos in Naarden, also bringe ich den Mazda zurück in den Heimathafen und düse retour auf gleicher Strecke wie gestern - nur in Gegenerichtung - mit dem Fiido.
Nach Morgennebel wird es wieder sommerlich warm, wir fahren mit Fahrrädern vom Hafen aus nach Muiderberg zum Pavillon "De Zeemeuw". Nordseefeeling kommt auf. Hier war ich erst vor ein paar Wochen mit einem guten Freund auf einen "Koffie met Appelgebak" nach einem Arbeitsbesuch beim Boot (klick).
Auch am zweiten Abend wird gegrillt, alle Passantenplätze sind jetzt belegt. Auf den Wiesen neben den Booten wird es "gezellig". Man genießt den Sommerabend...
Am Sonntag verlassen wir Naarden gegen 11.00. Weiter blauer Himmel, die Sonne scheint. Aber das Wolkenbild verrät: Es bläst eine kräftige Nordströumg über Land und Wasser. Es windet und als wir nach der Brücke das offene IJmeerauf erreichen baut sich eine kräftige Welle auf - ELAN wird durchgeschüttelt. Darum beschließe ich risikovermeidend zu fahren und biege kurz vor der kleinen Insel Hooft aus der Hauptfahrrinne backbord ab. Auch hier gibt es eine augebaggerte und hoffentlich wasserpflanzenfreie Fahrrinne. Der Hauptvorteil aber ist: Wir sind im Wind - und Wellenschutz der drei kleinen langgestreckten Inseln Hooft, Warenar und De Drost. Da ist es ruhiger, nur in den Bereichen zwischen den Inseln strömt die Welle rein. Ziel ist die lange Mole der Vechtmündung, das ist nur noch ein kurzes Stück.
Aber kurz nach dem letzten Westzipfel von De Drost geht es rund. Hier wird es zum Ufer hin sehr flach, die Welle baut richtig auf und kommt direkt seitlich auf das Boot. Ich kreuze darum etwas, setze immer wieder den Bug leicht nach Norden in die Welle und bin froh, als ELAN endlich in die schützende Mole und damit in Richtung Muiden tuckert. Auf den paar Metern fällt aber wieder ein Leistungsabfall und ein Flattern im Ruder auf: Wasserpflanzen erneut! Wir legen also kurz an einem der Stege der "Königlichen" an und ich befreie die Welle. Auch das erfrischende Bad tut nach dem Stress der letzten Stunde gut.
Erste Station auf der Vecht ist die Groote Zeesluis, wo ich gestern noch mit dem Fahrrad stand. Kurz danach ein Schwesterboot: Die Boreas wartet auf Schleusung in Richtung IJmeer. Der Skipper legt offenbar großen Wert auf Sicherheit: Eine Reling mit Drahtschutz läuft um das gesamte Boot und vorne auf dem Sonnendeck liegt ein großer Rettungsring.
Wir sind mal wieder auf dem "alten" Heimatfluß, seit dem Wechsel des Hafens von der Vecht nach Amsterdam sind wir hier nicht mehr so oft unterwegs. Kurz vor Weesp legen wir nochmal an und nehmen alle ein erfrischendes Bad im Fluss.
Durch Weesp geht es flott, wir passieren die drei Brücken durch die Stadt. Kurz vor dem Kanal dann eine Auffälligkeit am Schalthebel. Man muß deutlich mehr nach vorne drücken, um auf Touren zu kommen. Panik: Wieder ein Problem mit der Dieselzufuhr!?! Aber die Maschine läuft rund und hält ihre Drezahl stabil. Weitere Merkwürdigkeit: Der Drehzahlmesser arbeitet plötzlich wieder, er war vor längerer Zeit ausgefallen. Ich überlege kurz, über die Weesper Trekvaart nach Amsterdam zu fahren. Aber das wäre ein Riesenumweg mit vier Brücken und entsprechender Wartezeit. Darum Kurs Nord auf dem Kanal. Und auch hier geht es außerordentlich wellig zu. Schiffsverkehr und Nordwind bringen maximale Unruhe auf das Wasser. Aber das Motto ist jetzt: "Augen auf und durch". Ich beobachte kritisch den fast ganz nach vorn gelegten Gashebel, rühre ihn aber nicht an. Der wiedererwachte Drehzahlmesser zeigt konstant 1400 Umdrehungen und das Tempo liegt bei ca. 7 km/h. Und es geht gut aus, wir machen die sieben Kilometer auf dieser Wasserautobahn problemlos.
Und dann ganz kurz vor der Box wieder Drama pur! Ich rangiere etwas vor und zurück, dabei wird der Gashebel immer lockerer, hängt auf einmal nur noch lose in der Fassung und hat offensichtlich den Kontakt zum Gaszug verloren. Oder der Gaszug ist gerissen. Oder hat sich unten am Motor gelöst. Was auch immer - ELAN hängt im Rückwärtsgang und fährt auf ein Boot in der Nachbarbox zu. Ich stoppe schnell den Motor und wir führen mit vereinten Kräften das Boot von Hand entlang der Poller in die Box. Endlich Ruhe! Wir entladen, ich mache klar Schiff und schließe die Kappen. Der nächste Besuch hier im Hafen wird wieder ein Arbeitsbesuch sein...