Das letzte Wochenende im Mai, wir fahren am Freitag früh rüber ins Königreich und sind um halb zwölf im neuen Heimathafen vom Bootje: Jachthaven t´Einde am Amsterdamrhijn-Kanaal in Amsterdam. Vorbei sind die Jahre im ländlichen Nederhorst an der Vecht. Obwohl das Luftlinie nur 12 Kilometer entfernt ist, ist der neue Standort völlig unterschiedlichen Charakters. Wir beladen ELAN und schippern zügig raus auf den großen Kanal. Es ist einiges los auf dem Wasser, Frachter und große Binnenkreuzfahrer fahren längs.
Unser Ziel ist wieder mal der
Sixhaven, wie schon am letzten Wochenende
(klick). Da muß man, anders noch als noch Jahre zuvor, früh kommen, um einen schönen Platz ganz vorn zu bekommen.
Und es geht auf, wir liegen nach kurzem Manöver ganz prächtig direkt vorne quer am A-Steiger - absoluter Spitzenplatz direkt im Fokus der Webcam.
Es ist sehr warm, eine dräuende Schwüle liegt über der Stadt. Das Wasser kühlt etwas, aber für den späten Nachmittag sind Gewitter angekündigt.
Wir machen einen Provianteinkauf nördlich vom Hafen in den großen Jumbo-Foodhallen. Es kommt am Abend Besuch an Bord und dafür soll ein Dinner vorbereitet werden.
ELAN liegt wunderbar im Hafen, kein anderes Ziel wurde in den letzten 10 Jahren öfter angesteuert, zum ersten Mal in 2017
(klick).
Die Pantry läuft am Abend auf Hochtouren, das kommt sehr selten vor.
Der Samstag beginnt nach dem Gewitterregen vom Vortag mit frischer Luft wunderbarer Klarheit, ganz reinen Farben und gestochener Zeichnung.
Ein kurzer Blick auf die Weekend-Tour, vom Sixhaven im Zentrum soll es nach Osten gehen.
Nach dem Ontbijt verlassen wir Sixhaven gegen 11.00 und fahren über das IJ in Richtung Osten...
Die große Schleusenanlage gibt den Weg frei auf das Markermeer, das direkt hier zu Beginn eigentlich noch das IJmeer heißt. Es geht vorbei an Vuurtoreneiland und danach zieht an Backbord das alte
Deichdorf Durgerdam vorbei.
Wir kreuzen Pampus und fahren in die Fahrrinne der Vechtmündung ein. Ziel für den zweiten Tag ist die
Koninklijke Nederlandse Zeil- en Roeivereniging, kurz KNZRV. Da waren wir in den letzten Jahren regelmäßig. Auch hier ein Volltreffer: Wir bekommen einen herrlichen Liegeplatz in diesem feinen Jachthafen.

Die KNZRV wurde 1847 gegründet, ist damit die älteste Wassersportvereinigung der Niederlande. Von Anfang an war das ein Honoratiorenklub reicher Amsterdamer. Man hielt guten Kontakt zum Königshaus und machte die damaligen Prinzen zu Ehrenmitgliedern und Koning Willem II zum Schirmherren. Das wird bis heute so beibehalten, alle Regenten und Regentinnen des Hauses Oranien waren und sind hier in das Klubgeschehen involviert. Die
Piet Hein, die Jacht von Königin Juliana lag bis zum Verkauf in den Häfen des Klubs,
De Groene Draak, das Schiff von (Ex)königin Beatrix, liegt, wenn es nicht gerade renoviert wird, hier in Muiden. Zu Beginn war der Stammhafen des Klubs am Westerdok in Amsterdam. 1919 zog man dann um in den
Sixhaven und blieb dort bis zum 2. Weltkrieg. Die deutschen Besatzer verfügten Fahrverbote für das IJ, der Sixhaven wurde geschlossen. Die KNZRV mußte das "Koninklijke" aus ihrem Namen streichen und bezog ein Ersatzquartier an den Westeinder Plassen. Schließlich wurde dann 1953 hier in Muiden ein schon vorhandener Hafen ausgebaut und ein stattliches Klubgebouw errichtet. Seitdem ist der markante Platz hier direkt an der Vechtmündung die Heimstatt der Vereinigung. Und ja, es passiert wieder wie schon zweimal zuvor. Der Groene Draak liegt vertäut und Beatrix ist auf ihrem Boot.
Das Schiff war ein Geschenk des Staates an die junge Beatrix zu ihrem 18. Geburtstag. Gebaut wurde die 15 Meter lange
Leemsteraak in Amsterdam, da erfolgte 1957 auch die Taufe durch die Prinzessin. Das war ein großes Ereignis damals, schließlich war Beatrix Thronfolgerin. Es gibt schöne alte Aufnahmen aus der Zeit.
Anderes als zuvor im
August ´22 ist es aber nicht der Aufbruch den wir mitbekommen, sondern die Rückkehr. Beatrix geht gerade von Bord.
Zum Dinner gehen wir in den Kern der alten Monumentenstadt. Alte Plattbodenschiffe liegen an der Vechtkade.
Wir sitzen draußen vor der Brasserie Floris gegenüber der Groote Zeesluis und genießen ein solides Dinner in heiterer Stimmung.Der Sonntag grüßt mit frischer Luft und einem Glas mit kühlem Prosecco und süßen Erdbeeren.
Wir brechen auf gegen 10.30, passieren die Groote Zeesluis und schippern die Vecht aufwärts bis Weesp und passieren die Stadt - die drei Brücken öffnen rasch hintereinander. Am "Ape van Weesp" geht es hart Steuerbord nordwärts auf den Amsterdamrhijn-Kanaal. Das sind dann nochmal sieben Kilometer auf dieser großen Wasserautobahn.
Letzter Blick auf das Boot, es liegt wieder fest verzurrt in der Box. Fortsetzung folgt, die Saison ist noch lang.