September Weekender 14.-16.09.18

Noch einmal für ein langes Wochenende auf das liebe Bootje, eine Familientour Mitte September! Es ist schon deutlich Nachsaison, der große Sommer ist vorbei, die heißen Fahrten nach Amsterdam und Noordholland sind Geschichte. Vorbereitet ist eine Tour auf die Vinkeveener Plassen, das reizvolle Wasser war schon im letzten und vorletzten Jahr fester Bestandteil der Fahrsaison (hier und hier). Zum Plan gehört: Es wird nicht auf ELAN übernachtet, dafür ist eine kleine Hütte angemietet. Direkt am Wasser, auf einer Insel sogar, mit Anleger. Wir fahren zunächst am Freitag mit dem Auto nach Vinkeveen, von Bochum kann es erst am Nachmittag losgehen. Ankunft ist nicht vor 17.30, das reicht nicht mehr, um das Boot zu überführen. Stattdessen Einkauf im Albert Heijn in Vinkeveen und dann rüber zum Jachthaven und Motel Borger. Die vermieten auch drei Holzhäuskes auf den schmalen Landzungen, die das Gesamtbild hier charakteristisch formen. 


Ursprünglich war die Gegend alles flaches Land. Im 17. Jh. begann man mit dem Abbau von Torf, der wurde streifenweise weggebaggert. In den Zwischenräumen, den legakkers, lagerte man den Torf zum Trocknen. Auch der darunterliegende Sand wurde gewonnen, die Vertiefungen füllten sich mit Wasser, übrig blieben die schmalen Reste Land. Klar, daß später dann diese reizvolle Mischung als Freizeit- und Wassersportrevier beliebt wurde und auf und an den Inselchen jede Menge Hütten und Wohnboote errichtet wurden.


Unser rotes Häusken liegt nah am Festland, unten rechts im Bild. Drei Schläge mit dem Ruderboot reichen.


So stellt sich die Situation von oben dar: Hinten am gelben Haus der Jachthaven mit dem Auto, rechts unten die rote Hütte.


Schöner Abendblick auf die Plassen, noch ohne Bootje.


Doch das holen wir am Samstag, also früher Aufbruch nach Nederhorst. Mit dem Auto sind das von hier nur 20 Minuten.


Die Ausfahrt aus dem Heimathafen! ELAN läuft rund, der Himmel markiert das Wetter für die nächsten zwei Tage: Sonne und Wolken im Wechsel, Wind, knapp unter 20 Grad.


Hier schon auf der Vecht unterwegs in südliche Richtung, Ur-Holland, mitten im Groene Haart.



Es ist eine Genießerecke, die ihren Wohlstand gern auch mal zeigt - auf dem Wasser...


...und auch auf Land.


Durch Vreeland und Loenen geht es schnell, die vier niedrigen Brücken öffnen fix.



Am Abzweig in Mijnden geht aber zunächst nix mehr, es gibt ein Problem am Hubmechanismus der kleinen Brücke. Nach einer dreiviertel Stunde kommt endlich ein Mechaniker und wir können passieren. 


Nach einem Kilometer muß der Amsterdam-Rhijnkanaal gequert werden, wie immer hier Vorsicht auf die dicken und schnellen Binnenfrachter. 


Auf der anderen Seite in Richtung Westen dann freies Land. Weiter Blick, Hollandse Luchten.



Ein paar Kilometer auf der Angstel, der kleine Fluß verläuft parallel zur A2. Die stark frequentierte Strecke zwischen Utrecht und Amsterdam hat nach dem Ausbau vor einigen Jahren satte 10 Fahrspuren. Eine Flußidylle direkt nebenan vermutet man hier wohl nicht.


Kurz vor den Vinkeveener Plassen liegt die Demmerikse Sluis, es geht einen guten Meter abwärts. Vor uns nimmt ein großer Kahn den gesamten Schleusenraum ein, also eine kurze Wartezeit.

 

Schließlich Ankunft in den Wasserläufen der Plassen, sehr reizvoll hier zu tuckern, ein richtiges Labyrinth, wie eine Mischung aus Venedig und Kleingartenanlage mutet es an.


Endlich liegt das Bootje am Steiger vom Häusken.



Die Drohne ist dabei, ermöglicht schöne Aus-und Einblicke von oben.



Der Plan für den Sonntag: Die gleiche Strecke zurück soll es nicht sein, es bietet sich eine reizvolle Runde an. Die Vinkeveener Plassen sind durch einen Verbund von kleinen Flüssen mit der Amstel verbunden. Am Jachthaven Bon liegt die Schleuse auf die Winkel, ein ganz kleines und flaches Gewässer, für ein Boot wie die Albin 25 aber noch gut machbar. Hier sind wir schon im letzten Jahr einmal entlang geschippert (klick).


Wir passieren auch BIG 47, das ist ein ehemaliger Schweinestall, der mit viel Geschmack zu einer individuellen Unterkunft umgebaut wurde. Das war in diesem Jahr schon einmal Nachtquartier im April (klick)



Wir biegen ab in Richtung Amsterdam, die Kulisse der großen Stadt zeigt sich schon am Horizont.


Bei Ouderkerk trifft man auf dieser Route auf die Amstel, direkt da gibt es einen unter Skippern bekannten Supermarkt mit eigenem kleinen Hafen (klick).


Die Amstel nordwärts, noch viel grün, hinter den Feldern Blick auf das Ajax Stadion.


Dann eine feine Begegnung: Ein Cruiser mit vollendet eleganter Ausstrahlung kommt uns entgegen. Es ist die Super Van Craft River "Dana". Ein Einzelstück - großer Luxus, allerdings mit verschwenderischer Raumaufteilung. Bei 13,20 Meter Länge gibt es unter Deck nur ein Kabine mit Doppelbett, weitere zwei Schlafplätze nur nach Umbau der Dinnette. Also ein Traumboot für zwei? Immerhin kann man im Salon und Steuerstand "offen und frei" fahren, etwas das mir an der Albin ja so gut gefällt. Trotzdem scheint das Boot nicht jedermanns Sache, es ist Baujahr 2012 und wird z. Zt. für 385.000€ angeboten. Weiteres hier (klick).



Für kurze Trips geht es natürlich auch so, immerhin mit Steuerstand...


Die City ist erreicht, am Rembrandt-Toren liegt der Abzweig auf die Weesper Trekvaart. Bevor wir da in Richtung Vecht wieder zurück fahren aber noch ein kurzer Abstecher weiter auf der Amstel.


Nach 500 Metern kommt da eine gute Gelegenheit zum Festmachen, hier waren wir schon öfter (klick+klick) für eine kleinen Imbiss, an Bord oder in einem der Lokale dort.


Auf dem Wasser wie immer hier viel buntes Leben.



Die weitere Strecke ist Routine, auf der Weesper Trekvaart braucht es inklusive der drei niedrigen Brücken eine gute Stunde nach Osten bis zum Amsterdam-Rhijnkanaal, dann durch Weesp. Da macht der Brückenmeister aber nach der ersten von drei Brücken seine ihm zustehende Essenspause zum Abend, also von 16.30 bis 17.30 Wartezeit in der Stadt. ELAN liegt hinter einem schönen alten Schlepper an der Kade.


Zurück auf der Vecht starte ich nochmal die Drohne und lasse sie über dem Bootje kreisen. ELAN zieht im frühen Abendlicht mit herrlicher Heckwelle ihre Bahn über den schönen Fluss.




Zurück im Heimathafen, Heimkehrerlicht wie schon so oft. Für dieses Jahr vielleicht zum letzten Mal. Im Oktober wird ELAN wieder in die Jachtwerf Weesp überführt, hoffentlich in Verbindung mit einer schönen Abschlußfahrt für 2018. 



Wasser in Weesp

Ein schönes Filmchen von Vaar TV über das sommerliche Leben auf dem Wasser in "gezellig" Weesp. Der Ort liegt ein paar Kilometer flußabwärts vom Heimathafen in Nederhorst an der Vecht, schon oft angesteuert, auch als Etappenziel auf Durchfahrten nach Amsterdam, aufs IJmeer oder weiter nach Noordholland.


Kurzer Besuch am 3. September ´18


Sehnsucht nach dem Bootje, how come? Es ist jetzt genau vier Wochen her, die letzte Tour mit ELAN. Das war der Familientrip nach Amsterdam, 3 Tage verteilt auf Marina und Sixhaven, Anfang August, zur heißen Hochzeit des Sommers 2018. Seitdem immer woanders unterwegs, auch auf Abwegen im Süden (klick) - und das scheint nicht gut zu sein für das Hollandhobbyskippergemüt. Leider ist gerade keine richtige Tour drin, trotzdem will man ja mal kucken, ob es noch schwimmt und gut vertäut am Steiger liegt. Außerdem ist für Mitte September noch eine 3-Tagestour in Planung. Also einfach mal hinfahren nach Nederhorst zum Jachthaven Spiegelzicht (klick).

  

Große Arbeit ist nicht zu tun, nur ein bisken putzen und den Diesel mal anlassen. Das ist ja immer im Hinterkopf, dieses "springt er an"? Wobei, da hat das Bootje mich eigentlich noch nie im Stich gelassen. Es gab mal Startprobleme, aber das war die Elektrik im alten Startknopf, das ist seit dem Einbau des Schlüsselstarters Geschichte. Und auch jetzt: Seeventil und Stromkreislauf öffnen, Gashebel im Leerlauf nach vorn legen und den Schlüssel drehen, nach ein paar flotten Drehungen des Anlassers fängt der gute Yanmar Zweizylinder an zu tuckern, schön gleichmäßig, kurze Kontrolle hinten am Auspuff, Kühlwasser tritt aus = alles in Ordnung. Ich fahre nur für eine kleine Runde auf den See, fahre den Motor behutsam warm, drehe einmal zum Ende kurz aber heftig auf 3000 Umdrehungen hoch. ELAN macht dann so um die 15 Km/h. Das reicht für heute, mehr wollte ich gar nicht. Einfach nur mal vorbeischauen, ob noch alles beisammen ist, pure Romantik...    

Skipper auf Abwegen: Speedbootje auf Zypern - August ´18

Heißer Sommer in Nordeuropa, schöne warme Touren wurden in der Fahrsaison ´18 schon mit ELAN unternommen. Von Nederhorst ging es mehrfach nach Amsterdam und weiter nach Noordholland hoch.
Doch es geht noch heißer, zwei Wochen im Süden, zwei Wochen auf Zypern standen im August auf der Agenda. Was macht man da? Schwimmen, Weine probieren, faulenzen und - Boot fahren! 


Sonst so im Mittelmeer nicht üblich, aber auf Zypern werden Inhabern eines gültigen PKW - Führerscheins schnelle Sportboote zur Selbstfahrt ausgeliehen, auf Wunsch richtig kräftige Teile bis knapp 10 Meter Länge und mit bis zu 250 PS. Unser Standort war Polis an der Westküste, eine eher ruhige Ecke, das Wassersportzentrum ist Latchi. Da gibt es mehrere Anbieter, der Marktführer ist Latchi Watersports. Die haben die größte Flotte, man kriegt auch ohne längere Vorbestellung ein Boot.
Der genaue Ablauf: Man entscheidet sich für eine Bootsgröße, abhängig von der Anzahl der Mitfahrenden. Zu viert ist schon die kleinste Klasse völlig ausreichend. Möchte man, so wie wir, eine Tube hinterherziehen, braucht man eine Klasse drüber, wegen des stärkeren Motors. Man wählt zwischen 4 Stunden und vollem Tag, der Aufpreis für den vollen Tag ist rel. moderat. Uns reichten aber die vier Stunden, da das Fahrgebiet eingeschränkt ist. Darum geht es auch im ersten Teil der Einweisung: Gefahren werden darf entlang der unbesiedelten und unter Naturschutz stehenden Akamas Halbinsel bis zur Spitze im Nordwesten, das sind Luftlinie ca. 12 Kilometer. Auf der Strecke liegen wirklich schöne Buchten mit glasklarem Wasser. Man bewegt sich zudem auf den Spuren der hellenischen Götterwelt, hier hat sich Aphrodite mit ihrem Liebhaber Adonis vergnügt.


Nach der Einweisung an Land geht es zum praktischen Teil an Bord. Die Bedienung der Boote ist denkbar einfach, die gesamte Außenbordtechnik ist geschmeidig integriert - Anlassen, Gasgeben, Lenken - supereinfach. Zum Thema Ankern konnte ich auf entprechende Erfahrung verweisen. Wichtig ist noch die Bedienung der Funkanlage, falls es unterwegs Probleme geben sollte. Die braucht man auch, um seine Rückkehr durchzugeben. Man darf nämlich nicht selber aus dem Hafen raus- und wieder reinschippern, das übernehmen die Profis vom Verleih. Man wartet dann am Ende der Tour vor der Hafenmole und wird abgeholt.


Unterwegs mit einer Marinello Eden 18, hinten dran ein Suzuki Vierzylinder mit 70 PS. Das Boot kostet für vier Stunden knapp 150€, Sprit für ca. 20€ ist extra. Die Motorisierung reicht, um das 5.30 Meter Boot aus sizilianischer Fertigung verblüffend flott durch die Wellen zu bewegen.


Auch mit der Tube läuft der Kahn Tempo.


Um die Plattform und die Leiter hinten sicher benutzen zu können, sollte man im Badebetrieb den Motor liften.


Das Boot von unten, glasklares Wasser in der Blue Lagoon.



Tauchen lohnt hier, Schnorchelausrüstungen für alle sind ohne Aufpreis an Bord.



Familientour nach Amsterdam 3.-5. August´18


Ein langes Wochenende auf Bootje ELAN - und das in klassischer Familienbesetzung! Das ist erst einmal vorgekommen, vor zwei Jahren auf der Fahrt nach Naarden (klick). Und es geht, wie schon einige Fahrten in diesem Jahr vorher, nach Amsterdam. Da zieht es mich in diesem Jahr hin (klick), die große Stadt am und im Wasser ist ja nur gut zwei Stunden entfernt vom Liegeplatz.
Die Anreise nach Nederhorst läuft leider zäh, die A 12 ist hinter Arnheim gesperrt, auf der Ausweichstrecke über Apeldoorn gibt es einige Staus. Wir kommen erst nach 11.00 Uhr an, ich will schnell zur Schleuse, beladen wird das Boot dann erst nach der Schleusung auf der Vecht. Da kommt so einiges zusammen für drei Tage und vier Personen.
Mal gleich ein Satz zum Wetter: Die Sommerhitze hält an, es ist knackheiß. Einerseits schön, ELAN gleitet offen übers Wasser. Aber: Bei gut 36 Grad fordert der Körper Schatten und einiges an Flüssigkeit. Die elektrische Kühlbox ist voll mit Wasser und auch ein bisken Wein... 


Ein schöner Riesling kühlt, was richtig Feines vom Bopparder Hamm, am letzten Wochenende von guten Freunden unten am Mittelrhein geschenkt bekommen. Die Kühe kühlen sich im Fluß, schlaue Tiere...


In Weesp nehmen wir den Abzweig über die Smal Weesp. Die Ortsdurchfahrt mit den drei niedrigen Brücken habe ich schon mehrfach beschrieben (klick), alles klappt wie am Schnürchen. Danach dann den Amsterdam-Rijnkanaal queren und über die Weesper Trekvaart Richtung Stadt. Da geht es zu Anfang noch recht ländlich zu, an der schönen Mühle im ersten Teil gibt es einen Anleger. Zeit für einen Imbiss und ein erfrischendes Bad.


Durch Diemen, diesmal sind die zwei Brücken fix genommen, nicht wie bei der letzten Tour mit den Mexikanern (klick), dann auf die Amstel. Die Magere Brug ist noch immer mit den Red Ribbons vom Welt-Aidskongreß geschmückt.


Ohne Verzögerung dann auf das IJ. Wir sind spät dran und ich will die erste Nacht in der Marina Amsterdam in Noord machen.


Der A´dam Toren grüßt, der wird am nächsten Tag noch eine Rolle spielen, wir werden mal hoch fahren auf die Aussichtsplattform.


Doch erstmal in die Marina, zum dritten Mal in diesem Jahr, also vertrautes Terrain. Auf dem alten Weftgelände in Noord ist immer was los, das Durcheinander aus alt und neu reizt und fordert.


Am Außensteiger liegt ein Riesenpott, die Reef Chief ist eine 49-Meter Jacht eines US- Multimillionärs. Ich lege das Bootje davor, der Platz ist klasse, wir können da aber nicht für die Nacht bleiben. Also nochmal versetzen in den hinteren Hafenbereich, auch o.k.


ELAN liegt gut hier, die Marina ist zwar groß und hat Amsterdam-Chic, trotzdem geht es hier unter den Skippern gezellig zu. Und der Preis stimmt, für das Bootje werden pro Tag/Nacht 18€ kassiert, inkl. Strom und Top-Duschen.


Abends dann auf das NDSM- Gelände. Supervoll zwar, wir kriegen aber noch einen Tisch zum Essen im Pllek, gute Sache. Wie eine Bühne zum Sonnenuntergang der Blick übers IJ auf die Stadt.


Hier mal ein "Luftbild" vom A´dam Toren über die Situation hier: Der Blick nach Westen Richtung Noordzee, links ist die Stadt, in der Mitte das IJ und in der Verlängerung der Bauten unten die Marina in Noord. Zu sehen sind die 5 roten Buchstaben vom Botel.


Am Samstag geht es ruhig zu, ein Kaffee an Bord, ein Ontbijt im Brood. Dann zurück auf das IJ in Richtung Stadt. Und erst jetzt kriegen wir mit, was heute in Amsterdam gefeiert wird: Christopher Street Day. Nach dem Koningsdag (klick), die zweite Big Party auf dem Wasser hier.



Wir sind früh, darum noch ein kleiner Schlenker vorbei an Centraal Station und Kreuzfahrtterminal in Richtung Java-Eiland. Schöne Kulisse mit der Costa Mediterranea und den bunten Homo-Booten. 


Wieder zwei Übersichten vom A´dam - Toren. Hier sieht man den typischen Verkehr auf dem IJ direkt vor Centraal Station. Es drubbeln sich die Pendelfähren, Frachter und Pleziervaart. Tolle Stelle, aber Vorsicht ist geboten. 


Hier der Blick übers IJ nach Osten, am Horizont das IJmeer/Markermeer und Almere, in der Mitte die Stadt mit Kreuzfahrtterminal, Oosterdock und dem Nemo, vorne dann die Einfahrt zum Noord-Hollandkanaal mit dem Sixhaven. Das ist unser Ziel für heute, da soll ELAN einen Platz für die Nacht auf Sonntag bekommen.


Zum zweiten Mal im Sixhaven, hier waren wir Ende Juni schon mal auf der Tour hoch nach Monnickendam (klick).
Der Platz ist Legende! Sixhaven wurde angelegt 1920 durch die Koninklijke Nederlandsche Zeil- en Roeivereeniging und benannt nach Willem Six, dem damaligen Vorsitzenden dieses der Nomenklatura verbundenen Wassersportvereins. Der stammte aus der bekannten und (traditions)reichen Amsterdamer Patrizierfamilie Six, seit dem goldenen Zeitalter im 17. Jahrhundert ein weitverzweigter und einflußreicher Clan. Wirklich lesenwert dazu und tiefe Einblicke in die niederländische Geschichte gebend ist das Buch "Die vielen Leben des Jan Six: Geschichte einer Amsterdamer Dynastie"von Geert Mak.
In den ersten Jahren lag die königliche Motorjacht “PIET HEIN” oft im Hafen. Nach dem zweiten Weltkrieg zog die "Königliche" aber dann nach Muiden um, direkt an die Vechtmündung zum IJmeer (klick). Der Hafen verfiel, war nur noch Heimat für ein paar Wohnboote. Bis er 1974 wieder aktiviert wurde, nach den Bürgerlichen ausgerechnet von sehr motivierten Werftarbeitern, quasi ein Wechsel der gesellschaftlichen Klassen.
1946 wurde von Schiffbauern und Dokarbeitern auf der großen NDSM Werft in Amsterdam Noord ein Wassersportverein gegründet, die Watersportvereniging Dok- en Scheepsbouw, kurz WVDS. Bis zu dieser Zeit hatte der Verein auf dem Gelände der Werft seinen Platz und nutzte auch die Bautechnik der Werft. So konnten die Schiffbauer in der Freizeit selbst Hand anlegen und aus Alteisen und alten Rettungsbooten entstanden die ersten eigenen Motorjachten.
Nach vielen Umstrukturierungen auf dem Werftgelände mußte der Verein umziehen, ein neuer Platz wurde im verfallenden Sixhaven gefunden. Die Mitglieder haben eigenhändig den Hafen wieder aufgebaut.
Bis heute werden noch alle Arbeiten von Mitgliedern in freiwilligen Arbeitsgruppen verrichtet. Hafenmeisterei und die Kantinen-Bar werden nur durch freiwillige Vereinsmitglieder bemannt. Vor ein paar Jahren wurde genau unter dem Sixhaven der Tunnel für die neue Amsterdam-Metro gebaut, im Rahmen dieses gewaltigen Projekts wurde auch der Sixhaven nochmal gründlich renoviert. Alle Steiger und die Sanitäranlagen sind neu. Es präsentiert sich also heute alles in Top-Form.
Zudem gibt es ein echtes Sahnetüpfelchen: Auf dem Dach der Kantine steht eine 4K-Webcam, die ein Livebild ins Internet sendet, für Bootsleute immer spannend zu sehen. Und man kann Ankunft, Aufenthalt und Abfahrt selbst live von oben anschauen und teilen.


Wir kriegen wieder einen Platz vorn am Steiger A, beste Stelle. An Wochenenden in der Hochsaison ist das Glück, auch wenn man schon am frühen Nachmittag da ist.



Am späten Nachmittag dann erst auf den Turm, der ist auch vom Hafen aus gut zu sehen. Der Fahrt hoch lohnt sich, herrlich luftig-windig da oben. Gibt auch eine Bar und Schaukeln...



Danach dann in die Stadt, es ist knackvoll im Kern, nach ein paar Metern aber dann doch feine Stimmung an der Raamgracht. Wir landen zum Diner in Cafe de Jaren, ein Klassiker mit schöner Terrasse.


Auf dem Rückweg dann eine Begegnug, Op de wallen erklingt auf einmal ein lautes Thomas, ich ignoriere zunächst. Aber als dann das Handy klingelt drehe ich mich um und - drei Freunde von der IG-Metall Krefeld stehen vor mir.


Ruhige Nacht im Sixhaven. Trotz der Hitze ist es nachts an Bord erträglich, der Rumpf liegt ja tief im Wasser, das kühlt die Kabinen.
Am Sonntag dann Frühstück an Bord, gegen Mittag raus aus dem Hafen. Es geht eng zu hier, gerade in der Ausfahrt liegen noch ein paar Bootjes. Die sind spät am Abend rein gekommen, haben sich provisorisch positioniert und warten nun für den zweiten Tag auf  frei werdende Plätze.


Wir wollen aber raus, es geht nach Osten vorbei an Java-Eiland. Ich möchte nicht die gleiche Strecke über die Trekvaart zurück, auch nicht über den Amsterdam-Rijnkanal, sondern durch die Oranjesluizen auf das IJmeer in Richtung Muiden. Zum letzten Mal gefahren in 2017 auf einer großen Sommerunde (klick).


Auf dem Bild unten sind wir schon kurz hinter den Oranjesluizen, das Wasser öffnet sich. Hier begann vor der Einpolderung und Eindeichung die Zuiderzee, zum Wattenmeer war das offenes Wasser, zu Überschwemmungen neigend, an den Ufern sumpfig. Die großen Schiffe im Gouden Eeuw im 17. Jh. kamen mit ihren Schätzen aus den Kolonien in Indonesien hier an. Eine direkte Verbindung nach Westen zur Noordzee gab es noch nicht, alles mußte hier durch.
Eine Durchfahrt nach Amsterdam von hier war nicht einfach, der Wasserstand meist zu niedrig. Daher kommt der legendäre Satz "Vor Pampus liegen". Das war das Warten auf höheren Wasserstand an dieser Untiefe. Es mußte auf Frachtschuten umgeladen oder auf eine technische Innovation dieser Zeit zurückgegriffen werden. Man konstruierte sogenannte Scheepskameele, hölzerne Schwimmkörper, die zeitweise mit einem Schiff verbunden wurden, um Auftrieb zu erzeugen.


 Auf Backbord ein Blick nach Durgerdam, schönes Dorf auf dem Deich, altes Ziel.


Großer Himmel überm Wasser, Hollandse Luchten im Original!


Hier liegen wir nun vor Pampus. Der kleine Hafen der Festungsinsel (klick) ist voll, jede Menge Boote liegen vor Anker. Wir machen das auch, es sind nämlich wieder Waterplanten auf der Welle, das scheint hier im Sommer unvermeidbar. Ich gehe ins Wasser und beseitige die grünen Biester.


Von Pampus sind es nur drei Kilometer bis Muiden, wir haben Rückenwind und gleiten auf der Hauptfahrrinne durch die Vechtmündung in den Hafen.


In Muiden rutschen wir direkt in die Groote Zeesluis, links grüßt das Ome Koo.


In Weesp gibt es noch einen Imbiss mit Frietjes und Krokettjes. Dann zügig runter zur Schleuse nach Nederhorst. Da kommt man am Sonntag im Sommer besser früh an für die erste Schleusung am Nachmittag. Statt ab 17.30 läßt der Schleusenwärter schon Einfahrt um kurz nach fünf zu. Auf dem Spiegelplas dann die letzten Meter, herrliches Heimkehrerlicht weist den Weg zur Einfahrt in den Hafen.