Pfingsten in Amsterdam 9.-11. Juni´19

Pfingsten 2019 - endlich eine längere Tour mit ELAN! Am Sonntag früh in Bochum los, ein schneller Einkauf in Weesp und so geht es durch die Schleuse schon um 11.30. Sonne, frischer Wind, im Glas ein feiner leichter Südfranzose mit fruchtiger Restsüße - so muß das sein.

 

Ziel ist Amsterdam, ich entscheide mich für die Route über den Amsterdam - Rijnkanaal, die schnellste Verbindung in die Stadt. Das bietet sich heute an, der Wind kommt von hinten und schiebt uns mit leichter Heckwelle in einer guten Stunde ohne Unterbrechung durch Schleusen und niedrige Brücken bis in den Port van Amsterdam.


Auf dem großen Kanal begegnet man vor allem Handels- und Kreuzfahrern, aber auch kleine Pleziervaart ist hier unterwegs und nutzt die direkte Strecke für schnellen Transfer.


Bisher bin ich am Ende des Kanals immer vor dem IJ beim Javaeiland nach Westen abgebogen. Es gibt aber kurz vorher noch eine Durchfahrt, die Nieuwe Vaart. Die geht durch altes Hafen- und Lagergebiet, ermöglicht so manchen Blick in die Backyards.


Man kommt auf dieser Strecke raus am Oosterdok, fährt vorbei am Nemo und trifft dann am Kreuzfahrtterminal wieder auf das IJ. Da müssen wir rüber, denn wir wollen einen guten Platz im Sixhaven ergattern.


Vor 15.00 läuft ELAN ein in den Sixhaven, wunderbarer Ort direkt ggü. Centraal Station. Schon im letzten Jahr mehrere Mal besucht und hier (klick) ausführlicher beschrieben. 


Sixhaven hat eine Webcam, da kann man quasi "zurückspulen", darum ist hier immer ein Schnappschuss von oben möglich. ELAN biegt hier gerade ab und auf einen freien Platz am A-Steiger zu.


ELAN im Sixhaven, im Hintergrund zieht die Nieuw Statendam vorbei in Richtung Noordzee, ein ganz neuer Dampfer der Holland-America Line aus 2018. Diese Pötte laufen das Stadtzentrum nach wie vor in hoher Frequenz an, obwohl die neue grün-linke Stadtregierung da regulieren und reduzieren wollte (klick). Ebenso die Anzahl an Airbnb-Vermietungen und Touristenshops. Aber davon ist nix zu merken. Am Ende ist immer klar, wer wirklich das Sagen hat, auch und gerade in einer Kaufmannsstadt wie Amsterdam.


Vom Sixhaven ist man in fünf Minuten mit der Fähre in der Stadt. Schöner Bummel durch die Straßen, die über Jahrhunderte gewachsene Kleinteiligkeit der Altstadt hält hinter jeder Hausecke eine Überraschung bereit. Kann man immer wieder machen, ohne dass Langeweile aufkommt.


Am Abend geht es wieder aufs Boot, allerdings lassen wir uns fahren. In der Grachtenstadt hat sich das Geschäft mit den organisierten Fahrten durch die Wasserläufe in den letzten Jahren sehr ausdifferenziert. Klassisch sind die Touren mit den großen verglasten Flachschiffen. Immer mehr gibt es auch Angebote mit historischen Salonbooten und offenen Sloeps, das ist individueller und trifft den Zeitgeist. Am Abend gibt es Optionen auf Genußtouren auf den Booten, von Cheese&Wine bis zum mehrgängigen Dinner. Wir machen den Cocktail-Cruise.



Das geht bis in die Abenddämmerung, danach noch ein Absacker ganz oben. Auf dem Dach vom Hilton Double Tree am Oosterdok gibt es eine Rooftop-Bar.


Schöner Ausblick von oben, gerade zur richtigen Zeit. Nach Nordwesten im Vordergrund Centraal Station, dann das IJ, gegenüber ist Sixhaven und die Einfahrt zum Noordhollandschkanaal zu sehen, daneben der alte Shelltower, jetzt A´DAM. Hinterm Horizont die Noordzee, wo gerade die Sonne im Meer versinkt.


Überraschung dann am Montag: Die Crew bekommt Zuwachs, der Nachwuchs reist mit dem Zug an und wir verlassen zu dritt bei schönem Wetter Sixhaven um 12.15 (wieder dokumentiert durch die Webcam auf dem Dach vom Clubgebouw) und versetzen in die moderne Marina Amsterdam


Das sind nur zwei Kilometer in Richtung Westen zum NDSM - Gelände. Hier war ELAN im letzten Jahr auch schon dreimal. Mehr dazu hier (klick).



Auf dem ehemaligen Werftgelände ist alles im Umbruch. Direkt am IJ liegen noch die bunten Kreativ- und Partybereiche in den alten Hallen und improvisierten Bauten aus Containern und Resten der Werft. Dahinter schiessen aber gewaltige Neubauten wie Pilze aus dem Boden. Vor allem vielgeschossiger Wohnraum entsteht, bis 2020 über 2000 neue Wohnungen (Details hier). Das rückt dem bunten Chaos immer näher und wird den Charakter von Noord hier in den nächsten Jahren ziemlich verändern.

 

Für die Übernachtung überlassen wir das Boot dem Überraschungsgast und gehen für die Nacht ins Hotel, das war eh gebucht, denn da wollte ich immer schonmal rein: Das DoubleTree ist ganz aus Stahl und Glas und steht mitten in der alten Schmiede (Smederij). Von den oberen Zimmern auf der Südseite hat man einen gewaltigen Blick auf das Gelände, das IJ und die Stadt.




Es ist erst später Nachmittag, wir setzen über in die Stadt mit der Fähre zum ehemaligen Houthaven. Von da ein Bummel von Westen her ins Zentrum, erst durch den Jordaan und dann durch den Grachtengürtel zurück in die Altstadt.



Zum Abend hin dann starker Regen, wir fahren mit der Fähre zurück nach Noord,  ruhiger Abend mit Diner im Pllek.





Am Dienstag morgen ist die Regenfront durch, wir genießen noch etwas Hafenstimmung. ELAN verläßt gegen 12 Uhr die Marina mit Kurs auf Centraal Station.

 


Die Rückfahrt ist dann ein Klassiker: Durch die Stadt über Nieuwe Herengracht und Amstel auf der Weesper Trekvaart zurück nach Weesp. Da sind sechs niedrige Brücken auf der Strecke, alle öffnen fix mit nur kurzen Wartezeiten.


Letzter Stop an der Vechtkade in Weesp, es ist noch Zeit für eine ausgiebige und ruhige Imbisspause. Auf dem Bild unten mal ein Weitwinkelblick von der Sitzecke aus nach vorne. Der zeigt, wie schön und durchdacht alles auf den Albins angeordnet ist: Die geschützte Sitzecke für vier Personen, leicht erhöht dann die Steuerbank, dahinter der Abgang zur Kabine, darauf das vordere Sonnendeck. Nach hinten raus und hier nicht zu sehen dann noch die Heckkoje mit zwei Schlafplätzen. Und das alles auf 7,60 x 2, 70m.


Nach der Schleusung läuft ELAN um kurz nach 18 Uhr auf den Spiegelplas, nur noch wenige Meter sind es zurück in den Heimathafen. Oben Hollandse Luchten, unten bleischimmerndes Wasser, wieder feines Heimkehrerlicht!



Hollandtrip am Vaderdag - 30. Mai ´19


Vor sechs Wochen wurde ELAN wieder in den Sommerhafen in Nederhorst den Berg überführt (klick). Das war am 19. April ein schöner sonniger Tag auf der Vecht. Seitdem liegt das Boot unberührt und einsam im Jachthaven Spiegelzicht. Andere Dinge und Termine waren dringender. Bisher also ein leider unproduktiver Verlauf der Fahrsaison 2019.
Eigentlich war für die Tage um Himmelfahrt eine längere Tour geplant, daraus wurde ein Tagestrip am Vatertag. Nach den Reinigungsarbeiten zum Saisonbeginn in der Jachtwerf Weesp steht ELAN innen wie außen recht gut da. Und springt auch nach Schlüsseldrehung sofort an - alles in Ordnung.


Eine richtige Fahrt mit Schleusung auf die Vecht lasse ich aus, also nur einmal über den Spiegelplas schippern. Ein straffer Wind aus Südwest forciert etwas Wellenschlag. Einfach eine Stunde auf dem schaukelnden Boot sitzen, ein kleiner Imbiss, das reicht.



Das Wetter wird besser, es ist noch früher Nachmittag, es zieht mich ans Meer. Von Nederhorst sind es mit dem Auto 40 Minuten bis zum Südpier in IJmuiden. Da kann man quasi zwei Kilometer in die Noordzee hineinlaufen. Wie ein weiter Arm schützt der Damm die Hafeneinfahrt von Amsterdam. Kräftiger Wind, Wellen schlagen auf  die Betonquader, Gischt sprüht auf - herrliche Kulisse.



Der Strand ist südlich des Piers ca. 300 Meter breit. Der starke Wind fächert die Wolken im frühen Abendlicht weich über den Himmel, alles hat Weite und Tiefe.




Vor der Rückfahrt noch ein kurzer Stop in IJmuiden am "Kop van de Haven". Man hat einen schönen Blick auf den Schiffsverkehr, gegenüber liegt das riesige Werk von Tata-Steel. Hier beginnt der Noordzeekanaal. Die Verbindung zwischen der offenen See und Amsterdam wurde 1876 eingeweiht, und seitdem ständig erweitert. Zur Zeit entsteht hier die größte Schleusenanlage der Welt: 500 Meter Länge und 70 Meter Breite für 500 Millionen Euro! 






Überführung 2019

April 2019 - Start in die vierte Vaarseizoen mit ELAN! Seit drei Jahren schippert das Boot jetzt unter meiner Führung durch holländisches Wasser. Viel Geld und Liebe wurde investiert, aber es kam ja auch so viel Vaarplezier zurück.


Ich fahre am Tag vor Karfreitag solo zur Jachtwerf Weesp. Hier haben wir das Boot vor drei Jahren im März 2016 zum ersten Mal besichtigt (klick) und eine Woche später gekauft.
ELAN liegt noch "op de kant". Zunächst kommt die Plane ab, große Enthüllung.


Der Rumpf hat unten im Wasserpaßbereich einige gelbe Flecken, die sollen weg. Werftchef Bart gibt mir den Rest von einem Bio-Cleaner namens Fresh Marine. Auftupfen, kurz einwirken lassen - der Gilb verschwindet. Parallel setze ich mein Zeug ein, Anti-Gilb von Yachticon. Das ist gelartig, läßt sich dadurch leichter auftragen. Ist aber durch den Wirkstoff Oxalsäure ziemlich giftig, wirkt aber auch hervorragend. Der Rumpf blitzt in der Sonne. Im nächsten Schritt soll ein neuer Zierstreifen drauf, der alte ist an einigen Stellen brüchig. Zwar läßt der sich gut abziehen, darunter liegt aber noch ein blaues Band, vermutlich der Originalstreifen. Der ist ziemlich ausgeblichen, klebt jedoch bombenfest. Mein Neuer ist etwas breiter, darum kommt der einfach drüber, fällt nicht weiter auf.

 

Gerade als der Streifen sitzt, mehr oder weniger gerade, kommen die Werfleute mit dem Trecker, ELAN soll ins Wasser.



Während der Winterstalling in der Jachtwerf sitzen die Boote auf Stahlgestellen, zum Transport hebt ein Hydraulikheber das komplett an, mit dem Trecker werden die Einheiten auf dem Gelände transportiert. Große Meisterschaft beim Rangieren haben die Jungs hier, zwischen den Booten ist es eng.


Am Fluß steht ein großer Schlaufenkran, der hat heute Hochbetrieb, ein Boot nach dem anderen wird abgelassen.




Hier werden auch richtig dicke Pötte gehoben, für den Kran ist die ALBIN 25 nur ein Spielzeug.


Schließlich schwimmt das Bootje!




Vereinbart ist direkt danach ein kleiner Opstart-Service. Im letzten Jahr gab es eine große Inspektion mit Öl- und Filterwechsel für Motor und Getriebe, incl. Dieselfilter, Luftfilter etc. Werftchef Bart nimmt sich persönlich des Motors an.


Die Maschine startet klaglos, trotzdem gibt es ein Problem: An einem Ablaßventil am Motorblock tritt tropfenweise Kühlwasser aus. Doch mein Vertrauen in die technische Kompetenz hier bestätigt sich. Das könne leicht gerichtet werden, es bräuchte nur ein kleines Ersatzteil, welches bis zum nächsten Tag beschafft werden könne. Kein Problem, überführt werden soll sowieso erst morgen, die Crew reist nicht vor dem Mittag an.
Für mich ist auf der Werft nichts mehr zu tun, ich lasse den Wagen hier und gehe zu Fuß in die Stadt, im Hart van Weesp ist ein Zimmer gebucht. Und es ist noch Zeit für einen Bummel durch die schöne Stadt an der Vecht.







Diner auf einem der vielen Terrasjes, für die Weesp bekannt ist. Traumwetter Mitte April, schon lebendiges Treiben draußen.



Die Kade an der Smal Weesp im Abendlicht, dieser Wasserlauf bestimmt neben der Vecht den Charakter der Altstadt. Er verbindet den Fluß mit dem Amsterdam-Rijnkanaal und der Weespertrekvaart, historische Handelsverbindung aus den Zeiten des Gouden Eeuw. Die Smal Weesp  ist beliebt als Passantenhafen. Heute liegen nur zwei Boote fest für die Nacht. Das wird sich ändern, im Sommer zur Hochsaison sieht das hier anders aus.


Karfreitag in den Niederlanden, es ist nicht still, alles hat offen, es wird "gewerkt". Ich mache mich auf vom Zentrum zur Jachtwerf, das sind nur 10 Minuten. Der Einbau des Ersatzteils wird für 12.00 angekündigt, es wird dann doch schon 11.00. Kurzer Plausch mit dem Mechaniker. Der ist begeistert vom Motor, kennt den Typ Yanmar 2QM15. Das sei eine Legende, die uns alle überleben wird. Das ist Balsam für die Skipperohren, baut Vertrauen für kommende (Lang)fahrten auf.
Ich fahre mit dem Auto runter nach Nederhorst, nehme die Überführungscrew auf -diesmal nur Frauen- und wir fahren wieder hoch nach Weesp zum Boot. Gegen 13.00 geht es endlich los. ELAN fährt, die Saison 2019 läuft.


Erst ein paar Meter die Vecht rauf in Richtung Muiden, dann kehrt und südlich durch Weesp. Eine sonnige Rast mit Imbiss bei Fort Uitermeer. Der Pavillon nebenan ist nach einem Brand wieder aufgebaut, wir haben aber Bootsverpflegung, herrlicher Imbiss auf dem Fluss.


Es ist noch früh, ich schippere langsam runter bis Nigtevecht, der Motor läuft sehr gut, wirkt ruhiger als im letzten Jahr. Um kurz nach Fünf dann die Schleusung, es ist noch nichts los. Wir sind neben einer kleinen Sloep das einzige Boot, was auf den Spiegelplas will.


Wie immer schöne Kulisse auf dem großen See, Heimkehrerlicht weist den Weg in den Heimathafen.