Eine schöne Runde an einem langen Wochenende! Wir sind Freitag schon früh in Nederhorst, Einkauf im Albert Heijn, Beladen des Bootes, Schleusung - alles geht fix & foxi. Um 12.00 sind wir auf der Vecht mit Kurs nach Norden.
Der Hafen Dukra liegt zentral in Zaandam. Immer interessant, was Neues anzusteuern, hier war ELAN noch nicht. Ein Hafenmeister ist nicht zugegen, wir suchen ein freies Plätzchen, alles passt.
Zaandam, ein Ort mit großer Tradition. Für die Geschichte der Niederlande sind die Stadt und die folgenden Kilometer nördlich entlang der Zaan eine bedeutende Gegend. An diesem Wasser entstand im 17. Jh., dem Golden Eeuw, das erste und größte zusammenhängende Industriegebiet Europas. 900 (!) Windmühlen waren der Motor dieser Entwicklung. Holzsägemühlen, Mühlen für die Mehl, Farb- und Papierherstellung drehten sich unablässig in noordholländischer Brise. In den Dörfern der Zaanstreek gab es 65 Schiffswerften. 1697 kam der russische Zar Peter der Große inkognito nach Zaandam, um hier hinter die besonderen Fertigkeiten des holländischenden Schiffbaus zu kommen. Er studierte die Konstruktion seegängiger Segler, die er als Modellschiffe kopieren und in Russland später nachbauen ließ. Nachdem entdeckt wurde, wer da wirklich in Zaandam weilte, war Peter gezwungen, in einer von der Öffentlichkeit abgeschirmten Werft in Amsterdam weiterzuarbeiten. Dort begann er eine Zimmermannslehre in der Werft der Ostindischen Kompanie und arbeitete am Bau einer Fregatte aktiv mit. In Zaandam wird an den Zarbesuch erinnert, Straßen sind nach ihm benannt, es gibt ein Museum und ein großes Denkmal mit dem zimmernden Zaren.
Zaandam heute: Es gibt noch ein paar Straßen mit den charakteristischen alten Holzhäusern. Sonst aber ist Zaandam kein schickes Städtchen, kein Hotspot für Touris. Im Zentrum herrscht einfaches und pralles Leben, viele Kinder, Familien mit südländischen Wurzeln. Aber die moderne Architektur überrascht dann doch, es gibt jede Menge Zitate und optische Reminiszenzen an die alte Zaanstreek mit ihren grünen Holzbauten, reichverziert und von kleinteiligem Reiz. Vor allem im Bereich des Bahnhofs stehen spektakuläre Bauten, wie das bizarr anmutende Inntel-Hotel.
Am Samstag lassen wir es ruhig angehen, eine sehr lange Strecke ist für den Tag nicht geplant. Wir frühstücken an Bord, machen "klar Schiff" und passieren die schöne frisch renovierte Hondsbossche Sluis. Die ist richtig alt (1544) und wird heute in der Saison von Freiwilligen noch per Hand bedient. Das ist neu, auf der letzten Tour entlang der Zaan mußten alle Boote die große Hauptschleuse passieren. Die ist heute den größeren (Berufs)schiffen vorbehalten.
Mit der riesigen Handelsflotte der VOC machten die Niederlande in Indonesien reiche Beute und sorgten damit für einen immensen Wohlstand des aufstrebenden Bürgertums und so für den Aufstieg der Städte, zuvörderst den von Amsterdam. Von diesem alten Zustand an der Zaan zeugen noch einige Holzhäuser im charakteristischen Zaans Groen und vor allem die restaurierten Mühlen im Freilichtmuseum Zaanse Schans.
Wechsel ins 19. Jahrhunderts: Die Mühlen wichen den den Dampfmaschinen. Die Zaan wurde Sitz großer multinationaler Betriebe, vorzugsweise aus dem Bereich der Lebensmittelverarbeitung. Von hier kommt bis heute Zucker, Schokolade, Kakao, Mayonnaise aus großen Anlagen direkt am Flußufer.
Es gibt aber auch einige alte Fabrikgebäude, viele umgewidmet zu Wohn- und Kantoorquartieren. Das alles zieht an einem beim Schippern über diesen kurzen aber faszinierenden Fluß vorbei. Über den Kakaofabriken liegt ein Duft von Schokolade, eine kostenlose Zugabe für uns auf dem Bootje ELAN.
Aus Gegenrichtung mal wieder ein Schwesterschiff, bei der Albin 25 wurde der Rumpf hinten um eine integrierte Badeplattform verlängert.
Wir passieren Wormerveer, zum Ende der Zaan dann den Jachthaven Swaentje. Der war in den letzten Jahren schon mehrfach für ELAN ein schöner Etappenhafen. Dahinter wird es ländlich, die rurale nordholländische Polderwelt übernimmt.
Wir nehmen Kurs auf Noordhollands größte Binnenwasserfläche, die heißt im nördlichen Teil Alkmaardermeer und südlich Uitgeestermeer. Eine ruhige Wasserwelt heute, wenig Wind, warm, ein diffus taubenblauer Himmel wölbt sich.
Unser Tagesziel ist nicht mehr weit, es ist der Jachthaven Zwaansmeerpolder. Und der erweist sich als Glücksgriff!
Der Hafen liegt schön im Grünen, etwas außerhalb von Uitgeest. Er atmet noordholländische Ländlichkeit, ist dabei aber kein kleiner Bootje-Hafen. Hier liegt einiges, Motorboote überwiegen das Bild. Und alles ist top organisiert. Wir machen am Meldsteiger fest, der Hafenmeister hat ein richtiges Office, weist uns einen Platz zu. Ein freundlicher Mann, auf Nachfrage bekommen wir noch 4 Huurfietsen für eine kleine Einkaufs- und Radeltour gratis.
ELAN liegt sicher in einer Box mit Seitensteiger. Das Wetter hält, wir fahren mit den Leihrädern zum Supermarkt nach Uitgeest, danach für zwei Kilometer auf dem Deich entlang, schöne Rast im Schilf mit Blick auf die Wijde Stierhop.
Der Abend gehört dem Genuß, das Hafenrestaurant ist ambitioniert, schönes Dine & Wine. Ich nehme einen Klassiker:
Der Sonntag! Die Sonne scheint, zunächst ein ausgedehntes Ontbijt auf dem Boot. Ich möchte aber zeitig los, denn heute ist doch schon eine ziemliche Strecke zu fahren. ELAN verläßt um 10.30 den Hafen, quert nach Nord einmal den kompletten See, dann rechts ab auf den Noordhollandsch-Kanaal in Richtung Purmerend.
Der Nordhollandkanal ist ein 75 Kilometer langer Wasserlauf, mit der Einweihung im Jahr 1824 war das die wichtigste Wasserverbindung zwischen Amsterdam und der offenen See oben bei Den Helder. Die alte Route durch die Zuiderzee war aufgrund von Versandung immer weniger schiffbar, die Ladungen mussten zeitraubend auf kleinere Schiffe umgepackt werden.




