ELAN ist eine Albin 25, ein schwedisches Motorboot aus den 70er Jahren. Ca. 2500 Stück sind seinerzeit gebaut worden. Es war so etwas wie der VW Käfer auf dem Wasser, kompakt, aber mit ausreichend Platz für eine vierköpfige Familie, geeignet auch für längere Freizeitfahrten im Binnenwasser und an der Schärenküste. Einige der Boote tuckern heute noch, auch in den Niederlanden.
Überführung 2022 19.10.22
Zwei Tage im August: Boat and Bike
ELAN mal anders! An den letzten beiden Augusttagen fahre ich solo zum Boot und werde dabei gar nicht groß schippern. Nach einem kleinen Einkauf beim Albert Heijn in Nederhorst geht es nur für einen Trip auf den Heimatsee. Es ist windig von Nordost, deutlicher Wellenschlag auf dem Spiegelplas.
Eine kurze Patrouillenfahrt hinter den Inselchen, da gibt es reizvolle und sehr ruhige Liegeplätze. Man darf hier auch über Nacht bleiben, völlig kostenfrei, allerdings auch ohne jegliche Einrichtungen.
Entlang des Kanals geht es bis ins Urbane hinein, der Radverkehr wird dichter, man kommt im Gebiet der Oostelijke Eilanden aus, dem alten Hafengebiet ganz im Osten der Stadt. Heute steht auf den Flächen vor allem moderne Wohnbebaung. Mittendrin zwischen Vemkade und Oostelijke Handelskade liegt das Einkaufszentrum Brazilie, untergebracht in einer alten Lagerhalle. Da möchte ich beim Volendamer Viswinkel Peter Tol Fischgerichte kaufen, das wird sehr empfohlen. Ich komme aber leider erst sehr knapp kurz vor Geschäftsschluß um 17.50 an. Warmes gibt es nicht mehr, gern schlage ich aber bei einem Haringsbroodje und einem Thunfischtartar zu. Fehlt nur noch ein besondere Ort, um das zu genießen. Ich fahre nur 10 Minuten über die Sumatrakade bis ganz vorn zur Spitze von Java-Eiland. Das ist direkt am IJ, man überblickt dass Wasser in Richtung Westen, links des Kreuzfahrtterminal, in der Mitte Centraal Station, rechts Noord mit Adamtoren und Sixhaven. Alles vertraute Kulisse - und doch von hier so anders. Eine Wucht sind die beiden Fischsnacks: Der Thunfisch kommt sehr frisch im würzig-süßen Asiastyle, der Klassiker "Nieuwe Haring" sehr fein, produziert seidige Salzigkeit auf den Lippen. Dazu ein Fertigdösken Gin Tonic, perfekter Moment.
Übrigens befindet sich an dieser exponierten Stelle ein markantes Denkmal, das Monument "Zeeman op de uitkijk". Es ist den Seefahrern der Stoomvaart-Maatschappij Nederland (SMN) gewidmet, die während des zweiten Weltkrieges auf dem Meere ums Leben kamen. 321 Namen sind am Sockel der Steele eingraviert. Die Reederei SMN hatte bis 1969 ihren Stammsitz hier an der Sumatrakade, der Leitspruch des Unternehmens war: „Semper Mare Navigandum“ („Stets zur See fahren“).
Eigentlich wollte ich direkt mit der Fähre nach Noord übersetzen. Spontan fahre ich aber links ab durch den Fahrradtunnel, der die Wasserseite mit der Stadtseite von Centraal Station verbindet. Wie immer ein Riesengewimmel hier, aber mit dem schnellen Rad und tüchtig Beschleunigung dank Yamaha-Motor macht das richtig Spaß auf den Radwegen zu düsen. Ich fahre kurz über den Damrak bis zum Dam.
Da liegt ELAN, nur angeleuchtet durch den kleinen LED-Strahler vom Fahrrad. Nach fast 70 Kilometern jetzt eine ruhige Nacht auf dem Boot.
Die neue Radhose soll noch zum Einsatz kommen. Mit dem Auto ist es nur gut eine halbe Stunde bis IJmuiden. Da stelle ich den Wagen im Hafenviertel ab und ziehe mich um. Gegenüber liegt ein Teil der niederländischen Trawlerflotte, IJmuiden ist ein wichtige Umschlagplatz für Fisch. Hier kann man gut auch für den Eigenbedarf und den Sofortverzehr einkaufen.
In den alten Speicherhallen am Visserhaven sind heute Läden und Restaurants etabliert. Da hole ich mir wieder eine feine Imbisstüte "to go" und fahre los, ich habe ein Ziel.
Warmes Wochenende - Zwei Häfen 19. bis 21. August
Ein langes Wochenende im August, ELAN verläßt am Freitag um kurz vor 11.00 den Heimathafen! Auf dem Programm steht eine kleine Nordrunde mit zwei Übernachtungen. Und beide Häfen, die wir ansteuern wollen, verbindet eine Gemeinsamkeit, doch dazu später. Die Devise: Wenige Kilometer, viel Genuß. Nach der Schleuse biegen wir rechts ab auf die Vecht.
Auf vertrauter Strecke nehmen wir in Weesp die Smal Weesp, den kleinen Durchlaß von der Vecht zum Amsterdam Rhijnkanaal. Unter der ersten von drei Zugbrücken passiert vor uns ein großer Belgier.
Die Trekvaart mündet in die Amstel. Hier ist es ohnehin immer wieder großartig: Ein edles Entree in die große Wasserstadt, großes Kino am Ufer und auf dem Wasser.
Schon lange nicht mehr gesehen: Ein großer Kreuzfahrer läuft aus und schiebt sich auf dem IJ westwärts in Richtung Nordsee.
Ein Abstecher über das IJ in die Stadt, kurz durch den Trubel am Dam ins Bijenkorf.
Samstag früh - herrliches Hafenkino bei sommerblauem Himmel. Für Boote, die früh raus wollen, muß in der Durchfahrt rangiert werden.
Wir verlassen Sixhaven um 11.30, tuckern auf das wellige IJ und nehmen Kurs in Richtung Osten. Am Beginn von Javaeiland biegen wir aber ab, durchfahren ab Kreuzfahrtterminal den IJhaven. Hier bei den Oostelijke Eilanden war früher der Kern des Amsterdamer Hafens, bevor alles nach dem Bau des Nordseekanals nach Westen verlagert wurde. An der Kreuzfahrtkade liegt heute die Celebrity Apex, ein 300 Meter Schiff aus 2020. Besonderheit ist die stark nach vorn geneigte Bugform, dieser sogenannte „Parabolic Ultrabow“ soll den Komfort bei stärkerem Wellengang erhöhen und Treibstoff sparen.
Hinter dem ehemaligen Erzhafen beginnt der Amsterdam Rhijnknaal, da halten wir Kurs backbord und sind schon nach ein paar Minuten an den Oranjesluizen. Die schließen das IJ zum IJmeer und Markermeer ab. Auch wenn nur ein geringer Pegelunterschied zu nehmen ist, ist dies eine gewaltige Anlage. Es gibt insgesamt 4 Kammern, wobei die ganz nördliche den Freizeitfahrern vorbehalten ist. Wir können direkt einfahren, hinter uns kommt noch einiges an Booten nach und die Schleuse füllt sich.
Wärend an Steuerbord die modernen Gebäudefronten der neuen und stetig wachsenden Stadtteile Zeeburgerijland und IJburg liegen, reihen sich an Backbord kleinteilige und bunte Häuswer aus Holz. Das ist das schöne Durgerdam, ein altes Dorf auf dem Deich. Das war für uns viele Jahre immer der Abschluß auf dem Rückweg von Urlauben oben an der Nordsee in Egmond.