Erste Tour´23 im Mai


Die erste Tour mit ELAN in dieser Saison! Nach vielen Arbeitsbesuchen (klick) endlich wieder schippern für ein langes Wochenende. Das Motto ist: Drei Nächte, drei Häfen. Und da ist sogar viel Neues dabei, selbst in der siebten Fahrsaison findet man von Nederhorst aus immer noch unendecktes Wasser. Doch zunächst auf der Vecht in Richtung Norden, gegen 11.00 schon die vertraute Kulisse von Weesp voraus.


Auf der Smal Weesp eine kurze Pause, hinter der Roskambrug kann man gut festmachen. Es wird eingekauft, denn von hier sind es nur ein paar Schritte bis zum Albert Heijn.


An der Querung zum Amsterdam-Rhijnkanaal dann wieder eine Entscheidung: Eigentlich ist geplant, den Kanal nur zu queren und auf der anderen Seite in die Weesper Trekvaart einzufahren. Das ist die solideste und sicherste Verbindung nach Amsterdam. Doch ich entscheide mich spontan für die Kanalroute. Das ist die direkte und schnellste Strecke in die Stadt. Immer schön nah an der rechten Kante und vorsichtig, denn es gibt hier vor allem ein Phänomen, das für kleine Boote zum Problem werden kann. Der Kanal ist ja eine stark befahrene Wasserautobahn für (Binnen)frachter. Die geben hier richtig Gas und machen Heckwelle auf breiter Spur. Diese Welle trifft auf das Kanalufer, was auf auf dem Stück zwischen Weesp und Amsterdam in weiten Teilen mit senkrecht stehenden Spundwänden befestigt ist. Da trifft die Welle hart auf und prellt zurück. Das führt in Ufernähe zu sehr unruhigem Wasser, ELAN schaukelt mehrfach heftig. 



Auch Flußkreuzfahrer nutzen den Kanal als Nord-Süd Verbindung.


Nach gut einer Stunden grüßen die Leeuwen van Zeeburg. Die vier liegenden Löwen sind nach historischen Vorbildern erst im Jahr 2015 hier aufgestellt worden und bewachen seitdem die Grenze zwischen Kanal und Hafen.


Kurz danach biegen wir links ab auf die Nieuwevaart, weiter bis zum Oosterdok und raus auf das IJ. Wie immer dichter Verkehr, Frachter, Fähren, Rundfahrtboote fordern Aufmerksamkeit. Wir passieren Sixhaven und Centraal Station, denn ein Aufenthalt in Amsterdam steht nicht auf dem Zettel. Stattdessen reihen wir uns ein in die Konvoifahrt der Freizeitboote in Richtung Westen. Es sind vor allem Segler, unterwegs zur Seeschleuse in IJmuiden, um die Nordsee zu erreichen.


Wie immer beeindruckend sind die maritimen Bezirke zu beiden Seiten. Am Nordufer sind es vor allem Werftbetriebe. Große Neubauten wie in vergangenen Zeiten werden hier nicht mehr auf Kiel gelegt, man kümmert sich um Reparaturen und Revisionen.


Weiter westlich wird das IJ zum Nordseekanal. Der wurde 1876 in Betrieb genommen, ermöglichte großen Seeschiffen den Zugang und sicherte so die Stellung Amsterdams als Hafenstadt. Erst dadurch entstanden im Lauf der Folgejahre entlang des Kanals die großen neuen Hafenanlagen zwischen der Stadt und IJmuiden.


Vom Boot aus immer wieder Einblicke in die vier großen Hafenbecken, allesamt gelegen am Südufer.


Begegnung mit einem Seeschiff. Die schippern hier langsam, der Wasserlauf ist ca. 300 Meter breit, wir haben leichten Rückenwind. ELAN läuft sicher mit 9 Stundenkilometern immer weiter westwärts.


Wir sind hier schon dreimal gefahren, aber bisher immer nördlich auf die Zaan abgebogen. Jetzt fahren wir ein ganzes Stück weiter und biegen nach Süden ab auf den Zijkannal C. Da gibt es nach nur wenigen Metern am Westufer den Vereinshafen der Watersportvereniging IJmond. Da habe ich ELAN für einen Passantenplatz angemeldet.


Die Ankunft verläuft problemlos. Wir bekommen einen schönen Platz direkt an der Landseite des Hafens und können gegen 17.00 mit einem kleinen Cocktailempfang die gelungene Tagesetappe feiern.


Zudem ist heute Vatertag, das fordert auf zu intensivem Genuß und großer Entspannung.


Der Hafen liegt ruhig, das Ufer ist zu beiden Seiten bewaldet, einen Ort gibt es hier nicht. Allerdings liegen wir hier in direkter Einflugschneise zur Polderbaan in Schiphol. In dichter Frequenz wird von da heute in Nordrichtung gestartet.


Das Dinner nehmen wir ein in der Cafeteria Visser am Nordseekanal, danach dann Ruhe. ELAN liegt sicher vertäut für die Nacht.



Am Freitag ist der Hauptfahrtag. Um 10.00 verlassen wir den schönen Hafen und fahren südwärts nach Spaarndam. Da wartet die große Schleuse, bis zur Öffnung dauert es über 30 Minuten. Man wartet hier ab, bis eine Anzahl von Booten zusammen kommt. Von nun an heißt das Gewässer hier Spaarne, ein nur 10 km langer, kanalisierter Fluss. Das Besondere ist: Wir fahren hier auf der Spaarne direkt durch das Zentrum von Haarlem, das deshalb den Beinamen Spaarnestadt trägt. 


Schöne Kulisse für die Bootefahrer: Die historische Windmühle De Adriaan. Die hat eine wechselvolle Geschichte. Erbaut auf einem alten Stadtturm im Jahr 1778 war sie erst Tuffmühle, dann Tabakmühle und bis 1932 schließlich Getreidemühle. In dem Jahr brannte die Holzkonstruktion komplett ab. Erst 70 Jahre später, seit 2002 steht die Mühle nach langer Planungs- und Bauzeit wieder in voller Pracht als Wahrzeichen der Stadt am Ufer der Spaarne.


Es gibt natürlich einige Brücken hier, durch die meisten paßt ELAN mit ihrer geringen Höhe von 2,20 Meter durch. Das spart Zeit und sorgt für eine stressfreie Fahrt. Die Spaarne endet südlich der Stadt an der Ringvaart van de Haarlemmermeerpolder. Man grub diesen Kanal 1839 um das damalige Haarlemermeer herum, pumpte das Wasser aus dem großen See in den Kanal und legte so die Wasserfläche trocken. Eines der Wunderwerke der holländischen Landgewinnung. Den größten Raum auf dem Polder nimmt heute Schiphol ein, der riesige Flugplatz liegt im Durchschnitt vier Meter unter dem Meeresspiegel. Die Strecke geht weitgehend durch Wiesen und Felder, aber auch (alte) Industrieanlagen kommen in den Blick, wie hier die ehemalige Zuckerfabrik in Zwanenburg.


Kurz bevor die Ringvaart in das Nieuwe Meer übergeht eine herzliche Begegnung mit einem Schwesterboot.


Das Nieuwe Meer ist ein recht großer See am Südrand von Amsterdam. Es ist eine schöne Erholungszone, hier wird gesegelt, gesurft, geschwommen. Auch gibt es einige Jachthäfen. Zu einem wollen wir hin und queren das Wasser. Am Horizont türmt sich die Kulisse von Zuidas, dem neue Geschäfts- und Wohnviertel im Süden der Stadt.


Der Vereinshafen der Watersportvereniging De Koenen ist das Ziel. Wir bekommen einen schönen Platz am Passantensteiger direkt am Hafeneingang.


Obwohl das hier nah an der Stadt liegt und nördlich sich Autobahn und Eisenbahn bemerkbar machen ist das hier doch eine kleine Idylle am Wasser.






Am Samstag lassen wir uns Zeit, Abfahrt ist erst gegen 11.00. Zunächst wird wieder geschleust, denn wir müssen wieder auf das Amsterdamer IJ-Level kommen. Danach geht es immer am Westrand der City entlang auf der Kostverlorenvaart. Das sind wieder jede Menge Brücken, ELAN duckt sich unter allen drunterher. Nach einer halben Stunde passieren wir den alten Houthaven und erreichen so wieder das Hafenwasser von Amsterdam, das IJ.


Vorbei an Central Station biegen wir an Steuerbord ab und laufen wie schon so oft durch die Nieuwe Herengracht auf den großen Wasserlauf der Wasserstadt, die legendäre Amstel.



Der Rest ist Routine: Über die Weesper Trekvaart durch Diemen zurück nach Weesp an die Vecht.



Für die dritte Übernachtung laufen wir den Hafen der Watersportvereniging de Vecht an. Der liegt direkt ortsnah an der Vecht, hier war ELAN schon zweimal in den vergangenen Jahren für eine Passantennacht (klick). Wie immer legt man erst Meldsteiger an, dann bekommt man einen freien Platz zugewiesen.


Das ist hier und heute nicht ganz einfach. Ein kräftiger Wind weht inzwischen. Die Steiger liegen eng beieinander, Zudem gibt es keine Seitenstege an den Plätzen, man muß zwischen zwei Holzpöllern einparken. Das gelingt hier nur mühsam beim zweiten Versuch.


Weesp ist an der Vecht ein idealtypisch-idyllisches Städtchen, Holland pur. Wir nehmen Dinner in der Eeterij de Schalkse.



An Bord dann noch ein schöner Absacker aus Südafrika.


Am Sonntag verlassen wir Weesp um 10.30. Wir wollen schon vor der Mittagspause an der Schleuse zum Spiegelplas sein. Unter hellblauem Himmel und kräftiger Frühlingsbrise laufen wir ein in den Sommerhafen. 



ELAN "Klar Schiff" im Mai ´23

Es ist die 5. (!) Fahrt in Folge von Bochum zum Bootje, die nur dem Unterhalt dient. Überführung im Oktober ´22, Winterklaarmachen mit Plane drauf war kurz vor Weinachten ´22, dann nach der Wasserkatastrophe (die Fahrten aus diesem Grunde von Egmond nach Nederhorst sind hier gar nicht mitgerechnet) Reinigung des Rumpfes und Einbau der Akkus in der Jachtwerf Weesp "op de kant", dann letzte Woche Überführung nach Nederhorst in den Sommerhafen und heute schließlich ein Arbeitsbesuch für Reinigung innen und außen. Das sind hin und zurück zusammen immer 440 Kilometer und ein ganzer Tag geht dafür drauf. Gut, es gibt auch Spaßmomente dabei, aber es ist doch nicht die unbeschwerte Plezierfahrt auf holländischem Wasser, wofür das Bootje ja eigentlich da sein soll. Aber der Genuß ist eben nicht ohne die Maloche zu haben, gerade nach dem verheerenden Wassereinbruch im Winterlager (klick). Und darum geht es heute: Innen alle Spuren der Feuchtigkeit beseitigen, außen den ganzen Dreck des Winterlagers abspülen.


Zunächst Überaschung am Liegeplatz: ELAN wurde versetzt, liegt jetzt wieder 2 Kojen weiter innen auf dem Platz der letzten Jahre. O.K, das wurde sauber durch Leinenzug ausgeführt, keine Kritik. Auch gibt es gleich freundliche Begrüßung und Ansprache durch zwei Jungs am Steg, der neue Hafenmeister und eine Art Gehilfe, der auch auf dem Gelände wohnt. Beide komplett auf deutsch, das erleichtert die Kommunikation. Man erklärt die Umlegung, wünscht uns viel Energie fürs Putzen und kümmert sich  dann aber um einen alten Stahlsegler, der direkt gegenüber liegt. Auch Hans Krijnen, unser Bootsverkäufer, taucht auf. Er bietet den durchaus stattlichen Kahn für nur 7000€ an. Ist was für Liebhaber, die noch einiges an Geld und Liebe in das Boot reinstecken müssen. Wir greifen aber jetzt lieber bei ELAN an, innen sind alle Flächen zu wischen, überall ist ein leichter Schmierfilm drauf. Da stand zwar kein direktes Wasser, ist aber Niederschlag der Feuchtigkeit.

Ein besonderes Thema ist die Toilette, da sieht es übel aus. Nach herzhafter Attacke mit Spezialmittel und viel Wasser steht das aber alles wieder blitzblank da, besser als je zuvor. Die Böden kommen wieder rein, zudem großes Aufräumen. Das kann sich im Ergebnis durchaus sehen lassen, der Muff ist raus, hier kann man es wieder gut aushalten. Die erste Tour ist schon für die nächste Woche geplant.


Außen ist alles hartnäckig, der grobe Schmutz ist zwar schnell weg. Aber in den Ecken und Ritzen an Deck sitzt viel klumpig-hartnäckiger Grünspan. Da muß bei vollem Körpereinsatz gesprüht und gebürstet werden.


Leider ist das Wetter für die Aktion heute nicht optimal, bis in den frühen Nachmittag gibt es immer wieder Regenschauern. Wir sind im Durchzugsbereich einer Störung aus Südost. Ist aber auch ein Dichtigkeitstest fürs Boot: Innen bleibt alles trocken. In den Arbeitspausen steht zum Glück eine kleine Erfrischung bereit: Cocktailgenuß aus dem Schwarzwald "perfectly mixed" aus dem Dösken.

Im Ergebnis Top: ELAN is back!




ELAN is back - Überführung in den Sommerhafen 3. Mai ´23

ELAN im Winterquartier´22/´23: Verlust der Plane, großer Wassereinbruch, Schäden und Verschmutzungen im Innern. Alles zu sehen und zu lesen hier (klick). Nach ersten Maßnahmen im April in der Werft in Weesp soll jetzt endlich am 3. Mai in den Sommerhafen nach Nederhorst überführt werden. Eine Inspektion der Maschine, mit Öl - und Filtertausch wurde wunschgemäß durchgeführt. ELAN steht im Wasser bereit, der Schlüssel steckt.



Wir tuckern mit niedriger Drehzahl auf der Vecht in Richtung Süden. Der kleine Yanmar Diesel schnurrt und brummt, das Verdeck ist offen, die Sonne scheint, eine leichte Frühlingsbrise weht - nach dem schweren Rückschlag eine Ahnung von Normalität.


Große Freude, endlich wieder auf dem Wasser zu sein. Zuversicht, den alten Zustand wieder herstellen zu können.


Wir machen das Boot an der Vechtkade vor der Schleuse zum Spiegelplas fest. Bis die Schleusung ab 17.30 wieder beginnt nutzen wir die Zeit und laufen am Fluß entlang zurück nach Weesp, holen das Auto, kaufen im Albert Heijn einen kleinen Imbiss ein und stellen den Wagen am Jachthafen Spiegelplas ab.

Der bisherige Liegeplatz ist besetzt, zwei Plätze weiter am gleichen Steg ist aber frei. Hier lag ELAN in den ersten Jahren. Auf der Rechnung vom Hafen war eine andere Platznummer angegeben, da ist aber auch besetzt, außerdem zu klein. Es gibt keinen direkten Ansprechpartner, nach dem Wechsel des Eigentümers im letzten Jahr ist wohl nicht mehr ständig ein Hafenmeister vor Ort. Das muß alles später geklärt werden.


Kurz vor 6 Uhr wird geschleust, schönes Licht auf dem Spiegelplas. ELAN is back und findet ihren Platz. Zeit für eine Reinigung ist jetzt nicht mehr, das braucht einen größeren Einsatz. Das Deck und die Aufbauten sind stark verschmutzt, auch innen sind noch viele Flächen durch die lange Feuchtzeit stockfleckig und wie mit einem Film überzogen.

Der letzte Blick stimmt friedlich, verspricht Fahrgenuß auch in der Saison ´23.



Grote catastrofe: Elan voll Wasser

Das Bootje ELAN, es ist seit jetzt 7 Jahren ein Quell der Freude und hat viel Fahrspaß auf holländischem Wasser über Flüsse, Kanäle und Seen bereitet. So viele feine Fahrten bisher mit Besuchen in Städten, Dörfern oder auf dem Lande, egal ob in Amsterdam oder in ruraler Idylle.
Sicher, auch Arbeit ist dabei. Die Routinen des Einmottens im Herbst und des Vaarklaar-Machens im Frühjahr fordern etwas, hält sich aber alles im Rahmen und der Genuß an der Sache überwiegt. Kurzum, das Bootje ELAN war immer eine Esperanza, ein Boot der (guten) Hoffnung.
Es gab ja auch nur einen ernsthaften Zwischenfall. In 2017 fiel der Motor wegen Überhitzung aus, wir mußten abgeschleppt werden nach Monnickendam. Teure Reparaturen folgten (klick).
Und jetzt in 2023 - man ahnt es schon nach der Einleitung oben - der zweite Knaller: ELAN steht im März `23 innen unter Wasser! How come?
Das Boot kommt immer im Herbst in die Jachtwerf Weesp unter eine Plane und verfällt schön trocken an Land in einen Winterschlaf. In diesem Jahr fuhren wir am 13. Dezember hin und verrichteten alles gewissenhaft. ELAN lag gut verpackt und verzurrt eng zwischen den anderen Booten auf dem Gelände der Werft. Hier unten im Bild ist das zu sehen.


Und Schnitt! Es ist der 20. März ´23, wir sind für einen ruhigen Wochenaufenthalt in Egmond aan Zee. Da kommt eine Email mit Foto vom Chef der Jachtwerf: "Goedemiddag Thomas, Graag willen we je erop duiden dat het dekzeil open ligt……we horen graag of u dit zelf wilt/kunt dichtmaken of dat wij dit voor u moeten uitvoeren."

Und sofort maximale Beunruhigung, weil eine wichtige Sache wurde noch nicht erwähnt: Das hintere Stoffverdeck hatten wir abgenommen für eine Reparatur. Elan steht also blank da und wer weiß wie lange schon. Es hat die letzten Wochen heftig geregnet! Am anderen Morgen also sofort die 40 Minuten von der Nordsee an die Vecht. Die Diagnose ist fürchterlich! Die Holzböden im Sitzbereich sind naß und aufgequollen, darunter steht im gesamtem Rumpf Wasser, Abgasanlage, Maschine vorderer Kajüttbereich sind geflutet - überall stinkend graue Brühe. Wie die Plane, es war im hinteren Bereich sogar eine doppelte Plane, sich so gelöst haben konnte ist unbegreiflich.



Ich schöpfe sofort mit Eimer, Müslischale und Mikrofasertüchern Wasser aus dem Boot. Es sind hunderte Liter, das Wasser ist kalt, keine Chance das jetzt und hier alles zu schaffen. Ich sichere notdürftig die Böden und die Teppiche und überlasse der Werft das Abpumpen. Und natürlich versuche ich so gut es geht, die Planen wieder zu fixieren. Das Abpumpen wird mir zurück in Egmond bestätigt. Trotzdem bin ich beunruhigt und darum fahren wir 5 Tage später auf der Rückkehr nach Bochum  nochmal nach Weesp zum Boot und wieder "shocking moment": Die Planen sind schon wieder ab und es ist nach intensiven Regenfällen wieder Überschwemmung im Boot. Etwas Wasser schöpfe ich raus, aber gegen die ganze muffig-schimmelige Feuchtigkeit ist man einfach machtlos. Damit das aber jetzt endlich dicht wird, montiere ich das reparierte Stoffverdeck. Das hatten wir nämlich am Beginn der Reise bei Utarsail in Nederhorst abgeholt. Ich wollte es eigentlich erst später in Ruhe anbringen. Jetzt ist das aber zwingend, weil die Planen offenbar immer wieder weggeweht werden. Ich bitte per Mail die Werft nochmal um Abpumpen und hinterlasse das Boot in diesem Zustand.


Danach vergeht viel Zeit. Erst am 18. April nach vier Wochen schaffen wir es wieder zum Boot für eine Bestandsaufnahme. Es ist viel Bewegung auf dem Gelände, Boote werden umgesetzt, einige zu Wasser gelassen. Die Fläche wurde mit über 270 Booten maximal ausgenutzt. ELAN liegt nicht mehr eng eingekeilt zwischen anderen Booten, sondern frei und zugänglich.


Im Boot steht immer noch etwas Wasser, in der Bilge, im inneren Kielbereich, auch unter dem Motor. Ich finde die Pumpe, damit geht das recht fix raus. Aber einige Ecken sind einfach modrig feucht, viele Sachen in den Backskisten unter den Sitzen sind naß. Das kommt alles raus, einiges kommt in den Müllbeutel. Zwei nasse Holzböden auf denen sich der blaue Teppich gelöst hat und der wasserlösliche Kleber nur noch eine schmierige Masse ist, nehmen wir mit. 


Zum Glück scheint etwas die Sonne und es windet mild. Das ist das, was ELAN jetzt braucht. Ich öffne das Verdeck und die vordere Lucke und viele feuchte Oberflächen trocknen endlich. Schließlich folgen zwei Routinejobs wie jedes Jahr: Die beiden Batterien kommen rein und der Rumpf wird geputzt. Die "gelbe Welle" unten am Rumpf verschwindet dank Spezialmittel, ein paar Flecken werden wegpoliert. Das sieht im Ergebnis ganz gut aus.



Die Aufbauten oben und das Deck sind aber völlig verdreckt. Das muß im Zuge der Überführung noch intensiv geputzt werden. Auch innen ist noch einiges zu tun, um wieder unbeschwert genießen zu können. Ich vereinbare mit dem neuen Werftchef noch Inspektionsarbeiten am Motor, inkl. Öl - und Filterwechesel. Ins Wasser und  zurück in den Sommerhafen nach Nederhorst soll das Boot aber erst in der ersten Maiwoche kommen.

ELAN winterklaar 2022


Es ist der 13. Dezember 2022, wir fahren nach Weesp in die Jachtwerf zum Bootje! Ein später Termin dort nach Ende der Fahrsaison ist ein Ritual seit Anbeginn der Skipperei, seit nun immerhin schon 7 Jahren: ELAN wird nach der Überführung vom Sommerhafen in Nederhorst in der Jachtwerft in Weesp abgestellt. Die Werftleute nehmen sie dann aus dem Wasser, spülen von unten den Rumpf sauber und stellen das Boot danach auf dem Gelände auf großen Stahlblöcken ab. Untenrum ist dann zwar alles trocken, on top ist aber alles den Elementen in der naßkalten Jahreszeit offen ausgesetzt. Darum wird da immer eine große Plane drübergezogen, das Boot geht quasi in den Winterschlaf. Das war in diesem Jahr schon am am 19. Oktober, d.h. seitdem steht das Boot ungeschützt da. Also höchste Zeit für den "Winterschlaf".
Das große Gelände ist komplett voll mit Booten aller Größen und Arten. Wir müssen in dem Gewimmel regelrecht suchen und stellen fest: ELAN liegt komplett eingekeilt inmitten anderer Boote mit Minimalabstand. Es wurde in diesem Jahr besonders eng gepackt, der Zugang ist mühsam, wie ein Hindernisparcour. Die Aufgaben sind: Hinteres Cabrioverdeck entfernen, Akkus ausbauen, alle Matratzen entnehmen, Entfeuchterboxen aufstellen und dann die  Planen überziehen. Erst eine kleinere im offenen Bereich, dann über alles vom Bug zum Heck die große weiße Plane festzurren und fixieren. Das dauert in Summe dann doch 2 1/2 Stunden, auch wegen der räumlichen Enge. Es ist  ziemlich kalt, es steht noch an einigen Stellen gefrorener Rauhreif an Deck. Der wird sich unter den Planen in Wasser verwandeln, es gibt aber etwas Luftzirkulation, damit Feuchtigkeit entweichen kann.



Danach steht ELAN gut da, geschützt auch durch die Lage an der großen Halle und zwischen den Nachbarbooten.


Kurzer Blick auf die Vecht vorne am großen Hebekran am Flußufer. Hier wird ELAN im nächsten Jahr wieder zu Wasser gelassen. 


Wir haben noch einen Termin in Nederhorst bei Utarsail, eine Zeilmakerij. Das ist ein Fachbetrieb für für alle Belange rund um Bootstextilien. Da geben wir das hintere Cabrioverdeck (wieder) ab. Im Januar wurden daran hier schon die Kunsttoffscheiben zur großen Zufriedenheit ausgewechselt. Das Teil ist aber durch häufiges Öffnen und Schließen doch einem großen Verschleiß ausgesetzt, darum ergab eine schonungslose Fehlerdiagnose vor Ort: Ein Reißverschluß ist kaputt, an vielen Stellen öffnen sich die Nähte, es ist stark verschmutzt und nicht mehr gegen Näße imprägniert. All das soll gerichtet werden, ein hoher Preis dafür ist zu erwarten.


Danach ist noch Zeit für ein Abschiedsdrankje. Normalerweise gibt es das im Ome Ko in Muiden. Da ist es besonderes urig und idyllisch mit einem letzten Blick auf die winterliche Vecht. Wir sind aber spät dran, darum bleiben wir in Nederhorst und kehren ein ins Spiegelhuys. Ein Affligem Blond kommt ins Glas, ein belgisches Abteibier mit langer Tradition: Goldgelb, duftig, im Mund voll, weich, malzig, würzig süß und fruchtig. Der Klassiker wurde 2016 als bestes Pale Beer bei den World Beer Awards ausgezeichnet. 





Überführung 2022 19.10.22

Wenn die Blätter fallen, es dunkler wird und schon wieder ein Jahr zu Ende geht, neigt man doch zu einer herbstlichen Trübnis. Das gilt auch für die letzte Fahrt heute mit ELAN. Es ist nämlich wie in jedem Jahr die Überführung ins Winterlager nach Weesp.


Der letzte Besuch ist sieben Wochen her (klick). Viel zu lang, aber dazwischen lagen eine Herbstreise nach Südtirol und etliche Termine. ELAN startet ohne Mucken spontan nach ein paar Umdrehungen des Anlassers. Ich werte das als guten Zustand des Gesamtsystems. Wir tuckern unter herrlichem Himmel auf der Vecht nordwärts in Richtung Weesp.


Wir fahren zunächst an der Werft vorbei und weiter bis hoch nach Muiden. Die alte Monumentenstadt an der Vechtmündung war in diesem Jahr dreimal Anlaufpunkt und sicherer Hafen für die Nacht, immer im Hafen der Koninklijke Nederlandse Zeil- en Roeivereniging, kurz KNZRV.


Vor der Groote Zeesluis drehen wir bei und genießen letzte Meter auf dem Fluß.


Wieder in Weesp: Ich mache das Boot direkt bei der Jachtwerf am Steiger vor dem großen Hebekran fest. Heute ist hier Betrieb auf dem Gelände. Einige Boote sind schon aus dem Wasser, es wird kontinuierlich gehoben und eng gepackt auf den Stahlgestellen auf den Freiflächen abgestellt. Das erfordert einigen logistischen Aufwand. Ich treffe einen Mitarbeiter, der mit Klemmbrett und Listen hantiert, erkläre kurz die Ankunft von ELAN und vermute, daß sie heute noch aus dem Wasser genommen wird. Es ist eine neue Art nach dem Betreiberwechsel. Der Kontakt zum vorherigen Chef Bart war herzlich und persönlich, jetzt herrscht professionelle Geschäftigkeit.



Kurzer Abschied vom kleinen Bootje, eher in Moll als in Dur. Die Saison hatte Höhepunkte, war aber in Summe zu kurz. Eine Zusammenfassung der Fahrten folgt hier noch.


Schon "op de kant": Ein Segler in Extrembemalung.


Wir gehen zu Fuß, wie schon so oft, zurück nach Nederhorst. Das sind gut 80 Minuten immer am Fluß entlang.


Mit dem Auto dann nochmal nach Muiden! Auf der Terrasse vom Ome Koo gibt es zum Abschied feine Biere in die Gläser.